farbwelt

Meine Lebenswelt mitgestalten

Ein Unterrichtsvorschlag aus dem Lehrmittel «NaturWert. Pflanzen – Tiere – Menschen» zur aktiven Mitgestaltung des eigenen Lebensraumes.

Jugendliche aus Baden (Aargau) entdecken, bechreiben, fantasieren und planen (Thomas Flory).Segovia ist eine schöne alte Stadt, in der Nähe von Madrid. Sie ist nicht sehr gross, eigentlich ist das Leben dort angenehm. Aber auch Segovia hat mit Umweltproblemen zu kämpfen, die mit Stadtplanung, Verkehr, Wasserversorgung und Abfall zusammenhängen. Im Rahmen des städtischen Umweltbildungsprogramms lud die Stadtverwaltung Segovias Lehrpersonen und Schulkinder ein, gemeinsam mit Vertretern der Stadt und mit Fachleuten Lösungen für ausgewählte Probleme der Stadt zu suchen. Kinder und Jugendliche erhielten so die Möglichkeit, über ihre Stadt nachzudenken, sie aus ihrer Perspektive darzustellen und sie mitzugestalten.

Ein «Stadtplan der Gefühle»

Eine zentrale Aufgabe war es, Orte in der Stadt und die damit verbundenen Gefühle darzustellen: Welche Orte rufen positive Gefühle hervor wie Wohlbehagen, Zufriedenheit, Freude, Stolz? Welche lösen negative Gefühle aus wie Missfallen, Traurigkeit, Furcht, Scham? Es sollte ein vielgestaltiger «Stadtplan der Gefühle» entstehen, der später als Buch herausgegeben werden könnte.

Zudem wanderten dann die Texte der Kinder, Fotos, Zeichnungen von Stadtteil zu Stadtteil und wurden dort öffentlich gezeigt. Sie lieferten Anregungen und lösten Diskussionen aus.

Johannes Tschapka, Dozent der pädagogischen Hochschule Bern und Leiter des EU-Projektes «Train the Ecotrainer» zur Umsetzung von Anliegen der Bildung für nachhaltige Entwicklung, hat das Projekt in Segovia besucht: «Auf dem Bahnhofsplatz von Segovia breiten Marietta Garcia und Jorge Ibera gemeinsam mit 88 Schülerinnen und Schülern ihre Fotos aus. Es sind 90 schwarz-weisse Fotografien, auf denen die Jugendlichen Ansichten der Stadt festgehalten haben. Die Fotos sind je einen Quadratmeter gross. Mit Hilfe von Architekten, Künstlerinnen und Künstlern haben die Jugendlichen die Fotos überarbeitet und darauf farbig ihre Ideen und Änderungsvorschläge eingezeichnet. In der grossen Freiluftausstellung diskutieren sie nun eine Woche lang mit den Bürgerinnen und Bürgern ihre ‹neue Sicht› auf Segovia. Gemeinsam suchen sie nach umsetzbaren Neugestaltungen der eigenen Stadt. Szenenwechsel: In der Stadtverwaltung eines Quartiers liegen die zwei Bilder von Jorge und Marietta vor dem Stadtrat. Die Politiker und Politikerinnen diskutieren mit Marietta und Jorge, mit Stadtplanern und Geschäftsleuten des Quartiers.»*

Die 90 Quadratmeter Neu-Ansichten der Stadt führten zu 25 kleineren und mittleren Vorhaben unter Beteiligung von Schülerinnen und Schülern. Die beiden Bilder von Jorge und Marietta wurden mit Stadträten diskutiert, und zusammen mit Fachleuten wurde ein Projekt konkretisiert. Nach der erfolgreichen Abstimmung im Stadtrat konnte schliesslich die Neugestaltung eines Schulhausvorplatzes vorgenommen werden.

«Eine Stadt, die für Kinder gut ist, ist gut für uns alle.»
Francesco Tonucci, aus dem Vorwort der «mappa emocional» de Segovia.

Das «Beispiel Segovia» wird im Lehrmittel «NaturWert. Pflanzen – Tiere – Menschen» dargestellt und kann dazu anregen, bei der Gestaltung der eigenen Umgebung mitzuwirken. Im Themenbereich «Mensch und Biosphäre – Lebensgemeinschaften» werden Schülerinnen und Schüler sensibilisiert, den eigenen Lebensraum mit anderen Augen zu betrachten. Sie sollen dabei Schönes und Besonderes erkennen und darüber nachdenken, was in diesem Lebensraum verändert und verbessert werden könnte. Anschliessend werden Ideen und Vorschläge konkretisiert, in der Öffentlichkeit präsentiert und diskutiert.

Das Lehrmittel gibt Anregungen, wie Jugendliche bei der Mitgestaltung ihres Lebensraums aktiv werden können. Sie erfahren dabei, wie sie sich mit guten Ideen und mit Engagement für eine lebenswerte Region oder für ihren Wohnort einsetzen können. Das untenstehende Unterrichtsvorhaben nimmt die Anliegen der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung auf. Diese hat unter anderem das Ziel, die Menschen zur aktiven Gestaltung einer ökologisch verträglichen, wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Umwelt zu befähigen.

Bruno Bachmann

*Ausführliche Informationen zu diesem Projekt finden sich in: Seifert, Manuela?/?Steiner, Regina?/?Tschapka, Johannes; (1999) Zwischen Management und Mandala – Umweltbildung quer durch Europa; Österreichische Gesellschaft für Natur- und Umweltbildung, Wien

«In der Wohngemeinde der Jugendlichen gibt es viele Personen, die sich mit der Zukunft des gemeinsamen Lebensraums beschäftigen: Verschiedene Interessengruppen, Politiker und Politikerinnen, Behörden. Sie sprechen und diskutieren über Verkehr und Verkehrswege, über Kulturangebote in der Region, über neue Wohngebiete und Freizeitanlagen, über Schutzzonen für Pflanzen und Tiere. Danach werden oft politische Entscheide gefällt. Es wird geplant und budgetiert. Doch werden diese Projekte meist ohne Mitsprache und Mitwirken von Kindern und Jugendlichen realisiert. Sie werden nicht gefragt oder wissen gar nichts davon. Mithilfe dieser Unterrichtsmaterialien erhalten Schülerinnen und Schüler konkrete Ideen, sich mit zukünftigen Entwicklungen in der eigenen Lebenswelt auseinanderzusetzen und sich für eigene Vorhaben im Dorf zu engagieren. Die Erfahrung, dass ihre Ideen ernst genommen werden und etwas bewirken können, ist für Schülerinnen und Schüler sehr wichtig.»

Yvonne Hofstetter, Lehrerin, Schüpfheim

Die Zukunft mitgestalten (aus dem Ordner Klassenmaterial zu NaturWert)

Wir denken an die heutige Situation – eine Bestandesaufnahme
Was gefällt uns an unserem Wohnort? Was nicht?
Was funktioniert nicht richtig?
Versucht, Dinge und Situationen auch aus der Sicht anderer Personen zu betrachten.

Ich stelle meinen Lebensraum vor! Drei Ideen:

  • Mein Lebensraum für junge Menschen – eine Fotoreportage erarbeiten.
  • Eine Woche in meinem Lebensraum – ein Aktivitätsprogramm für junge Menschen zusammenstellen.
  • Das Beste aus meiner Region – einen Faltprospekt zu den Top Ten gestalten.

Wir entwickeln Ideen und Visionen – In Gedanken eine andere Welt gestalten
Wie könnte, wie sollte es denn sein? Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Utopisches, Visionäres, Unmögliches darf dabei geträumt, gemalt, gespielt, fantasiert werden. Dabei entsteht eine Fülle von Gedanken, Wunschvorstellungen, Zukunftsbildern.

  • Formuliert Ideen, erklärt, beschreibt. Lasst euch dabei nicht verunsichern, Vertraut darauf, dass sich die Gegenwart verändern lässt.
  • Gebt eurer Idee einen stimmigen Titel.
  • Veranstaltet eine Klassen-Ausstellung mit euren Ideen und zeigt möglichst vielen Personen eure Visionen.

 Wir handeln – ein Projekt verwirklichen
Aus der Fantasiereise kehrt ihr in die Wirklichkeit zurück und über­prüft, welche Ideen nun weiter verfolgt werden können. Welche Bedingungen müssen erfüllt werden? Welche Arbeitsschritte sind nötig?

  • Gibt es Ideen, die ihr im Klassen- oder Schulrat weiter verfolgen werdet? Wie geht ihr vor? Wem unterbreitet ihr eure Vorstellungen?
  • Wählt eine eurer Ideen aus und versucht, sie in Wort und Bild zu beschreiben. Achtet auf eine ansprechende Gestaltung.
  • Präsentiert eure Idee, euer Projekt anderen Menschen und diskutiert mit ihnen eure Vorstellungen.
  • Überlegt euch nächste Schritte. Wie kann das Projekt weitergeführt werden?
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