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Musik – «immer wieder» gestalten

ist Klassen­lehrerin an der Unterstufe in Mühlethurnen. Ihre besondere Liebe gilt dem Fach Musik. Sie arbeitete während 15 Jahren als Kursleiterin in der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung.Musizieren ist Gestalten par excellence. Die Metapher vom Füllen auf der eingezäunten Weide kommt hier schön zum Ausdruck. Ursula Tessaro gibt uns am Beispiel des beliebten Kinderliedes «Immer wieder kommt ein neuer Frühling» einen Einblick in ihr musikalisches Gestalten auf der Unterstufe.

Die Partitur eines Stückes steckt einen Zaun ab. Beim «freien» Improvisieren sind es die Gesetze der Harmonien. Und auch jedes Instrument bietet Einschränkungen, die zu einem bestimmten Ausdruck führen. Wer mit Schülerinnen und Schülern musiziert, erfährt die Auseinandersetzung mit dem «Zaun» doppelt. Zum einen geht es darum, mit den Vorgaben des Stücks eine Interpretation zu leisten und eine Unterrichtssequenz zu planen und zu gestalten. Zum anderen steckt gerade diese Arbeit den Schülerinnen und Schülern den Bewegungs- und Lernraum ab. Das Lied «Immer wieder kommt ein neuer Frühling» von Rolf Zuckowski verbreitet eine frische und fröhliche Atmosphäre und lädt immer wieder dazu ein, sich Neues zum kommenden Frühling einfallen zu lassen. Die drei Teile des Liedes (Kehrvers, Strophen, «Winter») sind je in sich kleine Stücke mit eigenem Charakter, die zum Ausgestalten animieren. Zusammen kann daraus ein facettenreiches und doch rundes Ganzes entstehen.

Für den Kehrvers macht Ursula Tessaro je zwei Vorschläge zur Begleitung und zum Bewegen.

Melodische Begleitung:
Vorgabe sind die vier passenden Begleittöne f, a, c’, f’. Als einfache Variante kann man Kinder auf Klang­stäben frei improvisieren lassen. Ab der 2. Klasse wird die Begleitmelodie auf einem Glockenspiel gespielt.

Rhythmische Begleitung:
Eine freie Begleitung auf «Sonnenstrahlinstrumenten» wie Triangel oder Fingerzimbeln – sparsam einsetzen.

Sonnenschein:
Mit gelben Chiffontüchern oder Krepppapierstreifen die Sonnenstrahlen scheinen lassen. Ein kleines Sonnenstrahlentänzchen einstudieren. In Gruppen ausprobieren lassen, wie so ein Sonnentanz aussehen könnte, die Idee vorführen, sich gemeinsam für die «beste» Form entscheiden.

Wichtig ist, dass die Gestaltungsvorschläge der Kinder zum Text passen. Dabei dürfen starke, besonders kreative Kinder auch mehr gefordert werden. Hingegen sind Ideen von Kindern, die sich weniger zutrauen oder gehemmt sind, Impulse in die Runde zu geben, besonders aufmerksam entgegenzunehmen. Gemeinsam wird dann versucht, solche Beiträge möglichst sinnvoll im ganzen Geschehen einzubauen. Kinder sollen merken, dass ihre Gestaltungsideen wertvoll sind. So wächst der Mut, sich einzubringen.

Blumen:
Kinder verwandeln sich mit Hilfe von Chiffontüchern in Blumen und lassen die bunten Blumenköpfe in die Höhe wachsen. Auch bei den Strophen und beim Winterteil lässt Ursula Tessaro die Schülerinnen und Schüler innerhalb bestimmter materieller oder formaler Vorgaben Ideen entwickeln und Möglichkeiten ausprobieren. (siehe Download-Bereich). Je besser die Kinder das Lied kennen, umso reicher werden die Gestaltungsvorschläge. Schliesslich kann das ganze Lied mehrere Male hintereinander in immer neuer Besetzung und mit neuen Ideen aufgeführt – und genossen – werden.

Ursula Tessaro

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