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Spagation – der Spagat zwischen Integration und Separation

Klassen wirken immer in der einen oder anderen Form integrativ, weil sie Kinder unterschiedlichster Herkunft in gemeinsamen Räumen zu gemeinsamen Zielen in gemeinsam erlebten Unterrichtsgefässen vereinen. Eine besondere Aktualität erhält das Thema nun aber darum, weil in fast allen Kantonen und Schulen so genannte Integrationsartikel umgesetzt werden müssen. Diese verlangen von den Schulen mehr als die übliche Integrationsleistung heterogener Kindergruppen. Dass schon der Unterricht in einer Regelklasse mehr als anspruchsvoll sein kann, zeigt auf eindrückliche Weise der Artikel «Ortstermin Realschule».

Neu geht es zusätzlich darum, Kinder mit heilpädagogischen Bedürfnissen, mit Behinderungen oder anderen psychologischen und medizinischen Indikationen in «normale» Schulklassen zu integrieren. Wir lassen in diesem Heft betroffene Lehrpersonen, heilpädagogisch Tätige und Lernende zu Wort kommen. Auf die plakative Frage «Integrieren oder separieren?» haben auch sie keine einfachen Antworten. Lehrpersonen werden die mit ihrem erweiterten Auftrag verbundene Herausforderung entweder als positiven Challenge oder negativ als Überforderung erleben. Je nachdem eben, ob das verträgliche Mass eingehalten oder überschritten wird, je nachdem, ob die Rahmenbedingungen ihre Aufgabe ausreichend unterstützen.

In seinem Beitrag «Realklassen werden zu Kleinklassen» bemängelt der Autor sehr pointiert, dass er eben diese Rahmenbedingungen als nicht erfüllt sieht und darum – wie viele Kolleginnen und Kollegen – vor einem unlösbaren Dilemma steht. Die Redaktion veröffentlicht diesen und die weiteren Beiträge im Originalton aus der Haltung heraus, dass eine offene Diskussion gerade dann notwendig ist, wenn selbst überdurchschnittlich engagierte Lehrpersonen die Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags gefährdet sehen. Über Reaktionen in Form von Leserbriefen würden wir uns freuen.

Wenn Sie die verschiedenen Beiträge lesen, werden Sie feststellen, dass Separieren keineswegs immer ein Ausschliessen und Integrieren nicht in jedem Fall die optimale Form von Förderung ist. Mit der unmittelbaren Herausforderung, die jeweils richtige Lösung zu finden, sehen sich zurzeit vor allem Einzelne – Lehrpersonen, Heilpädagogen, Eltern – konfrontiert. Die wahre Herausforderung stellt sich aber vermutlich auf der System-Ebene, indem für dieses sinnvolle Oszillieren zwischen Separations- und Integrationssequenzen längerfristig flexiblere Organisationsformen entwickelt werden müssen.

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