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Fordern und Fördern aus Sicht der Lernenden

Forderungen können motivieren

Fünf Schülerinnen und Schüler einer 9. Klasse – Loris, Dominic, Rahel, Nicola und Jolanda – machen sich Gedanken über das Fördern und Fordern in der Schule und in der Freizeit. Unter «Fördern» verstehen sie Motivieren, Anstossen, Unterstützen und Helfen. «Fordern» setzen sie mit Verlangen, Erwarten, Befehlen oder Antreiben gleich. Aufgezeichnet von Hansruedi Hediger.

Stellt ihr an euch selbst Forderungen? Welche Leistungen und Ziele wollt ihr erbringen?

Jolanda: Alle stellen Forderungen an sich selbst, sonst kommt man in der Schule irgendwann nicht mehr mit. Man merkt bald, dass es ohne nicht geht.

Nicola: Privat stelle ich mir sehr hohe Ziele, allerdings nur dort, wo es mich interessiert, und wo ich weiss, dass ich es kann. z. B. im Karatesport, hier möchte ich perfekter werden.

Loris: Ich fordere von mir selbst ein gutes Abschlusszeugnis. Meine Eltern helfen mir dabei, indem sie mir Nachhilfelektionen in Mathematik bezahlen. In diesem Fach bin ich nicht so gut. Eine Belohnung für gute Leistungen erhalte ich keine, das möchte ich auch gar nicht. Doch ein Lob nehme ich gerne entgegen.

Dominic: Ich glaube auch, dass alle Menschen Forderungen an sich selber und auch an die Mitmenschen stellen. Im Sport sind die Forderungen bei mir meist etwas höher als in der Schule. Beim Klettern setze ich aber meine Ziele eher etwas weniger hoch. Wenn ich dann eine schwierige Stelle schaffe, dann ist das Erfolgserlebnis umso grösser. Mein Kletterpartner und ich fordern uns zwar gegenseitig heraus, aber es ist trotzdem kein Konkurrenzkampf.

Rahel: Ich stelle in ganz verschiedenen Bereichen Forderungen an mich. Im Geigenspielen sind sie mir besonders wichtig, damit ich ein Musikstück einmal gut spielen kann und ich eine immer bessere Technik erreiche. Ich spiele jetzt schon sechs Jahre Geige. Meine Eltern fördern mich, indem sie mir die Musikschule bezahlen. Aber ich glaube, dass sie keine Forderungen an mich stellen würden, wenn ich einmal mit dem Spielen aufhören möchte.

Wie erlebt ihr Lehrpersonen, die von euch zu viel/zu wenig fordern?

Jolanda: In Fächern, in denen ich mich etwas weniger einsetze, fordert die Lehrperson automatisch mehr von mir. Und in Fächern, in denen ich mehr arbeite, ist eine Forderung auch weniger nötig.

Dominic: Eine Lehrperson, die immer nur fordert, ist weniger beliebt. Ich selbst schätze es, wenn es ausgeglichen ist: Viel fordern – wenig fordern. Zu «weiche» Lehrpersonen sind aber auch nicht beliebt.

Rahel: Eine gewisse Forderung motiviert auch, und es braucht sie. Sonst denkt man bald, Lernen spiele ja keine Rolle, und macht dann nichts mehr. Eine Überforderung hingegen bewirkt das Gegenteil. Für eine Sache, die ich nicht erreichen kann, setze ich mich nicht ein.

Loris: Das ist dann Druck und keine Förderung mehr. Das spüre ich manchmal auch. Lehrpersonen sollten eigentlich von uns ziemlich genau wissen, wie viel sie fordern können.

Jolanda: Schülerinnen müssen auch lernen, was sie nicht interessiert. Es ist doch Pflicht der Lehrpersonen, gewisse Dinge von uns zu fordern. Aber sie können nur dort fördern, wo wir etwas gerne machen.

Rahel: Aber das ist doch sehr schwierig, weil jede Schülerin und jeder Schüler an einem anderen Ort gefördert werden sollte, und alle etwas anderes nötig haben.

Nicola: Man kann aber auch Lehrer überfordern. Wenn man zum Beispiel zu viele Dinge fragt, die er auch nicht weiss. Es gibt Lehrpersonen, die Mühe damit haben, dass ein Schüler mehr weiss als sie selber.

Loris: Lehrpersonen, die gut fördern, zeigen am Stoff auch eigenes Interesse und können zum Beispiel ein Geschichtsthema gut vermitteln. Sie beziehen uns mit ein und beginnen Diskussionen über spannende Themen. Das ist für mich auch eine Art Herausforderung.

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