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Ein origineller Abschluss der Schulzeit

Herzlich Willkommen zur Schau

Beim Eintritt in die Mehrzweckhalle in Uetendorf wähnt man sich an einer Gewerbemesse. Je zwei Abschlussklassen der Real und der Sek stellen ihre Arbeiten an der «SCHAU» aus.

 

Hansruedi Hediger

Der «SCHAU» vorangegangen ist ein langer Prozess. Das Ziel ist klar umschrieben: Zum Abschluss deiner obligatorischen Schulzeit hast du die Gelegenheit – allein oder zu zweit über einen längeren Zeitraum vertieft an einem Thema zu arbeiten, das dich wirklich interessiert, zu zeigen, wie eigenständig du dich selber organisieren kannst, Dinge zu hinterfragen und Antworten zu suchen auf Fragen, die du dir stellst. Diese Arbeit wird zu einem Teil von dir dokumentiert und zum anderen Teil als Ausstellungsstand gestaltet. Dein Projekt soll in Eigenverantwortung erarbeitet werden. Du dokumentierst deine Arbeitsschritte, dein Vorgehen, deine Arbeit in einem Arbeitsjournal.

Schon Anfang Februar erhalten alle Neuntklässler und Neuntklässlerinnen die Kriterien über die schriftliche und die praktische Arbeit, über den Standplatz an der Ausstellung und das Arbeitsjournal. Mit einem Cluster kristallisieren sie das Forschungsthema heraus und gehen dann an die weitere Planung (Informationssuche, Materialbeschaffung, Interviews, Dokumentation).

Daria und Crismardys haben sofort gewusst, dass sie zusammenarbeiten. Sie sind ein gutes Team und ergänzen sich mit ihren Fähigkeiten. Auf das Thema Paris haben sie sich rasch geeinigt, dann aber gemerkt, dass sie sich weiter einschränken müssen. Schliesslich sind sie bei der Frage «Was macht Paris zur Stadt der Liebe?» gelandet. Darias Mutter ist mit ihnen nach Paris gefahren, wo sie wichtige Orte besucht und Interviews gemacht haben. Wie sie ihren Stand gestalten wollen, wissen die beiden schon recht genau. Die rotweissen Vorhänge zum Fenster im Hintergrund sind schon genäht. Auch ein Backofen für frische Croissants ist organisiert. Sie haben bisher grossen Spass an ihrer Arbeit und sind sehr motiviert.

Schliesslich sind sie bei der Frage gelandet:
«Was macht Paris zur Stadt der Liebe?».

Moritz Klingler, Klassenlehrer einer neunten Klasse und einer der Initianten, kennt die Vorgeschichte der «SCHAU»:
Der organisatorische Aufwand der Abschlussfeierlichkeiten mit einem Theater und die Einbussen im regulären Unterricht waren im Verhältnis zum Ertrag unverhältnismässig hoch. Es musste eine neue Form gesucht werden. Seit etlichen Jahren können wir nun auf bewährte Strukturen zurückgreifen, was den Lehrpersonen wie auch den Jugendlichen Sicherheit gibt.

An diesem Dienstagabend der letzten Schulwoche ist die «SCHAU» gut besucht. Vielfältig sind die Fragestellungen an den 35 Ständen: Wie funktioniert die Reduktion von Metalloxyd zum Metall? Welches ist die Lieblings-Käsesorte der Thuner und Thunerinnen? Wie kommt das Ahornblatt auf die kanadische Flagge? Wie verändert sich das Leben eines Jugendlichen durch Facebook? Warum treiben Frauen ab? Was wissen die Leute über die Rega? Kann der Konsum von vielen Chips zu Krankheiten führen? Cupcakes – wieso kommen die Designer–Törtchen so gut an?

Liebevoll und mit kostbaren Gegenständen geschmückt ist der Stand von Patrik und David. Es sei zwar anstrengend, die vielen Fragen der Besucher über das Thaiboxen zu beantworten, meinen die beiden, doch das Interesse mache sie auch stolz auf die eigene Arbeit. Der grosse Aufwand habe sich auf jeden Fall gelohnt, und sie seien bis zuletzt hoch motiviert gewesen. Ihr Tipp für die Achtklässler: Im nächsten Jahr möglichst früh beginnen und ein Thema wählen, das interessiert und originell ist.

Simon Ritter, Klassenlehrer einer neunten Klasse, äussert sich ebenfalls positiv zur «SCHAU»:
«Schon zum dritten Mal mache ich mit einer Klasse mit und bin immer wieder erstaunt, wie vielseitig und gut die Ergebnisse sind und wie motiviert die Jugendlichen mitmachen. Ihre Energie ist auch im Unterricht spürbar, die Spannung hält bis zum Schluss. Doch die ‹SCHAU› kann sich auch zu Tode laufen, wenn immer wieder gleiche Themen auftauchen. Ich mache die Schülerinnen und Schüler schon in der achten Klasse darauf aufmerksam, wenn sie die ‹SCHAU› der Älteren besuchen.»

In der Halle unterwegs sind auch die vier Jurymitglieder, alles Erwachsene, absichtlich nicht aus dem Lehrerberuf. Sie beurteilen den ersten Eindruck, die Präsentation, die Erfüllung des Auftrags, die Sorgfalt, die Kommunikation und die Dokumentation.

Der Käsestand hat übrigens in der Kategorie «Präsentation» den ersten Preis gewonnen und der Stand über die Liebe in Paris den zweiten Preis in der Kategorie «Sorgfalt».

 

Bild links: Welches ist die Lieblings-Käsesorte der Thunerinnen und Thuner?
Bild rechts: Was macht Paris zur Stadt der Liebe?

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