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Alters- und niveaugemischtes Lernen

Eine Schule erfindet sich neu

Unter dem Titel «Lernforum Lorraine» wird im Berner Nordquartier seit zwei Jahren ein Projekt aufgebaut, das in der heutigen Schullandschaft Modellcharakter hat.

Werner Jundt

Schon seit 15 Jahren werden an der Oberstufe der Lorraineschule Erfahrungen mit niveaugemischten Klassen gesammelt. Seit 4 Jahren werden in diese zudem Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf integriert. Vor zwei Jahren wurden auch die Altersgrenzen fallen gelassen. Heute besuchen die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe Lorraine nicht mehr durchgängig eine konventionelle Schulklasse (Jahrgangsniveauklasse).

Der Unterricht findet zu einem Drittel stark individualisiert in alters- und niveaugemischten Lerngruppen statt. Im «Selbstgesteuerten Lernen» – einem erweiterten Wochenplanunterricht – arbeiten die Jugendlichen jeden Morgen während zweier Stunden an Aufträgen aus den Fächern Deutsch, Mathematik, NMM und Fremdsprachen. Andere Teile des Unterrichts finden in Jahrgangs- und Interessengruppen statt.

Da die Lernaufträge im «Selbstgesteuerten Lernen» offen formuliert sind, können die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrem individuellen Arbeitstempo und Leistungsvermögen arbeiten. Lernstarke werden nicht gebremst und gewinnen zunehmend an Autonomie. Lernschwache sind vom Klassendruck befreit. Die Lehrperson steht als Beraterin zur Verfügung.

Ein weiteres bemerkenswertes Unterrichtsgefäss ist das «Forum». Alle Lerngruppen treffen sich wöchentlich zu Präsentationen und gemeinsamen Aktivitäten. Das können Vorträge von SchülerInnengruppen oder externen Personen sein, moderierte Gruppenarbeiten oder gemeinsames Musizieren. Das Forum ist öffentlich, insbesondere die Eltern sind zur Mitwirkung eingeladen.

Im «Lernforum Lorraine» wird Heterogenität als Chance verstanden. Die Lehrpersonen sehen sich als Hüter der Vielfalt und Förderer individueller Begabungen. Sie unterstützen einander in dieser Rolle und bilden sich regelmässig weiter. Auch bei den Jugendlichen sind die Achtung des Andersartigen und der Wille, einander zu unterstützen, spürbar. 

Das Berner Nordquartier ist sozial durchmischt. Die Lehrerinnen und Lehrer der Lorraineschule sind «normale» Lehrpersonen. Die Schulkommission ist zusammengesetzt wie anderswo. Gerade darum ist das «Lernforum Lorraine» ein Modellfall! Es zeigt, was mit pädagogischem Optimismus und Innovationsbereitschaft möglich ist – und überall möglich sein könnte.

 

Wir haben am Projekt beteiligten Personen sechs Fragen vorgelegt: (Bild anklicken für eine vergrösserte Ansicht des Textes.)

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