farbwelt

Patenschaft der besonderen Art

Es ist gut zu wissen, dass jemand da ist

Im Schulhaus Moos in Gümligen gehört das Zusammenleben und -arbeiten von jüngeren und älteren Schülerinnen und Schülern zur Schulhauskultur. Begünstigt wird dies dadurch, dass hier Kinder und Jugendliche vom Kindergarten bis zur 9. Klasse ein und aus gehen.

Hansruedi Hediger

Die Erstklässler hören gebannt den Neuntklässlern zu, die zum Schuljahresanfang «Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte» erzählen. Dass die Geschichte ein gutes Ende nimmt, und der Löwe mithilfe der angebeteten Löwin schreiben lernt, belustigt und beruhigt die ABC-Schützen gleichermassen. Die Beziehung zwischen jüngeren und älteren Schülerinnen und Schülern wird nebst der Tradition zum Schuljahresanfang bewusst gepflegt. Gut vorbereitet führen z.B. am Ende des Schuljahres die Zweitklässler ihre Göttis und Gotten aus der 9. Klasse durch die eigene Bilderausstellung. Gotte Tanja setzt ein farbiges Puzzle zusammen, das Melina selbst gemacht hat, und Gzim erklärt seinem Götti Renato, was er über den Künstler Van Gogh alles herausgefunden und auf seinem Plakat aufgeschrieben hat. Der Göttibub Hugo macht Viola auf die an der Decke hängenden Figuren aufmerksam und erzählt von der Künstlerin Niki de Saint Phalle.

«Liebste Freundin, wollen Sie mit mir auf die Bäume klettern? Ich habe auch Bananen. Total ­lecker! Gruss Löwe.» «Aber neiiin!», brüllte der Löwe, «so etwas hätte ich doch nie geschrieben!» Und der Löwe zerriss den Brief und ging weiter zum Nilpferd ...

Die gute Stimmung zeugt von gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Lukas aus der 9. Klasse ist sich dessen bewusst: «Ich habe gemerkt, dass die Zweitklässler sehr stolz sind und ihre Werke gerne zeigen. Diesen Stolz dürfen wir nicht verletzen, indem wir kein Interesse zeigen oder zu wenig ernsthaft sind. Mein Göttibub wollte fast nicht aufhören mit Erzählen und hat mir alle Details gezeigt.»

Die Schülerinnen und Schüler kennen einander, haben sie doch in den letzten zwei Jahren schon öfters etwas gemeinsam unternommen.

Die Neuntklässlerin Viola: «Als ich mein Gottenkind kennen lernte, habe ich ein längeres Gespräch mit ihm geführt. Ich habe ihm dabei ein Tagebuch mit einer von mir gestalteten Titelseite geschenkt. Gemeinsam haben wir einen Ausflug auf die Eisbahn unternommen oder ein Puzzle aus Holz ausgesägt. Im Zeichnen haben wir auch zusammen Schuhe verändert und anschliessend ein Schuhtheater auf der Bühne vorgeführt.»

Im Schulalltag habe man auch in der Pause Gelegenheit, mit den Zweitklässlern zu reden, berichten Renato und Tanja aus der neunten Klasse. «Sie haben viel Respekt und achten uns. Und sie wissen, dass jemand Älteres da ist, der ihnen helfen würde. Wir sind uns der Vorbildfunktion bewusst und können uns deshalb nicht alles erlauben. Die Beziehung macht aber Spass und wir lernen dabei den Umgang mit kleineren Kindern.»

Dass die Stimmung im Schulhaus und auf dem Pausenplatz zwischen Jüngeren und Älteren meist rücksichtsvoll ist, bestätigen auch die beiden Lehrpersonen Emilie Müller (Lehrerin an der 1. und 2. Klasse) und Bänz Huber (Lehrer an der 7. bis 9. Klasse). Sie wissen nur Positives über die Zusammenarbeit zu berichten.

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