farbwelt

Editorial

Freundsprachenpolitik

robert abt

Peter Uhr
Verlagsleiter Schulverlag plus AG

Zur Zeit überbieten sich die Medien mit vielstimmigen Beiträgen zum Fremdsprachenunterricht. Mal gehen die Schreibenden von ihren eigenen Erfahrungen aus, mal argumentieren sie staatspolitisch, mal berufen sie sich auf die Schülerinnen und Schüler. Mehrere kantonale Lehrerverbände lehnen zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe ab. Bundesrat Berset sieht den Bund in der Pflicht, falls die Kantone im Bereich Fremdsprachenunterricht nicht harmonisierungswillig sein sollten. Es ist nicht Aufgabe des Schulverlags, sich in die Bildungspolitik einzumischen. Wirklich nicht? Immerhin verlegen wir zwei Reihen, die von der Wünschbarkeit der Entwicklung von Schule und Unterricht ausgehen. Und dieses profil ist das zweite in einem dreiteiligen Zyklus zur Unterrichtsentwicklung. Mit unserer Haltung zur Fremdsprachenfrage sehen wir uns auf der Linie der Erziehungsdirektorenkonferenz und des interkantonalen Projekts Passepartout. Wir meinen, dass man anderen Sprachen nicht früh genug begegnen kann; schon der Start im 3.  Schuljahr ist ein politischer Kompromiss. Aber wir sehen den primären Gewinn des frühen Fremdsprachenunterrichts nicht darin, mit dem Frühfranzösischen ein weiteres Selektionsfach zu haben. Im Gegenteil: Wenn Fremdsprachen zu Freundsprachen werden sollen, dann nur, wenn die Begegnung mit ihnen möglichst angstfrei erfolgt. Der Entscheid des Berner Erziehungsdirektors, wenigstens die 3.-Klässler vom Notendruck zu befreien, weist in die richtige Richtung. Wenn man das konsequent weiterdächte, würden die vielen Klagen betreffend die Überforderung der Kinder mit zwei Fremdsprachen umgehend verschwinden. Wer kann ernsthaft etwas dagegen haben?

AnhangGröße
PDF icon Download dieses Beitrags (PDF)59.63 KB