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An Forschungsaufgaben wachsen

Die Kompetenzentwicklung sichtbar machen.

Bei der Entwicklung des neuen Lehrmittels zum Fachbereich Natur und Technik (NaTech) taucht eine Frage in fast allen Gesprächsrunden mit Lehrpersonen, PH-Dozierenden, Lehrmittelautoren oder Fachexpertinnen auf: «Wie erkennen die Lehrpersonen, was Kinder gelernt haben und wie stellen sie fest, ob und wie die Kinder das Gelernte in neuen Situationen anwenden können?» Die Frage ist für den Unterricht sowie für das nachhaltige Lernen von zentraler Wichtigkeit.

Das Forschungsheft ist ein Port­folio eigener Vermutungen, Erfahrungen, Erkenntnisse, Ergebnisse und Kompetenzen.

Das neue Lehrmittel «NaTech» für das 1. bis 6. Schuljahr macht die Kompetenzentwicklung beim forschenden Lernen über sechs Jahre hinweg sichtbar. Das Arbeitsinstrument dazu ist das «Forschungsheft», das die Schülerinnen und Schüler während sechs Schuljahren begleitet – das Portfolio für junge Forscherinnen und Forscher.

Dimensionen der Kompetenz­sicherung

Das Sichtbarmachen der Kompetenzentwicklung wird auf verschiedenen Ebenen angegangen: Einerseits bieten kompetenzorientierte Aufgabensets Lerninhalte an, die zum Transfer oder zu einer Synthese führen. Die Lehrperson findet im «Lehrerkommentar Online» zu jeder Aufgabe Hinweise, wie sie Denkanstösse und Fragen konkret formulieren kann, wie Lösungsmöglichkeiten aussehen könnten, und welche Hilfestellungen die Schülerinnen und Schüler unter Umständen brauchen. Ihre Erkenntnisse und Versuche halten die Kinder auf den Arbeitsblättern aus den Klassenmaterialien fest oder besprechen sie mündlich. Lehrpersonen können die Dokumente der Klassenmaterialien editieren, also den Bedürfnissen ihrer Klasse anpassen.

Um zu erkennen, was die Schülerinnen und Schüler wirklich können, braucht es aber mehr als Hinweise und gute Denkanstösse: Es braucht Formen der Begutachtung, die in der Praxis unkompliziert eingesetzt werden können und die den jeweiligen Lernstand der Schülerinnen und Schüler ausweisen. Die Lehrperson findet deshalb ein bis zweimal pro Lerneinheit Aufgaben mit Beurteilungsrastern zur Selbst- oder Fremdeinschätzung. Es steht der Lehrperson frei, diese Beurteilungsmöglichkeiten summativ oder formativ zu nutzen und – je nach erreichtem Kompetenzstand – das Thema noch einmal vertiefter anzugehen.

Forschungsheft: Die formative ­Beurteilung im Blickfeld

Ganz explizit wird die formative, nach vorne blickende Lernstandserhebung im «Forschungsheft» ins Zentrum gerückt. Dort sammeln und präsentieren die Schülerinnen und Schüler ihre Forschungstätigkeiten exemplarisch über jeweils zwei Schuljahre – von der ersten bis zur sechsten Klasse. Grundlage zur Arbeit mit diesem Heft ist der «Forschungskreis», der einige zentrale Elemente des Forschungsprozesses aufzeigt:

Im hinteren Teil des «Forschungshefts» finden Schülerinnen und Schüler «Ich kann … »-Sätze, die ihnen helfen, den eigenen Lernstand festzuhalten und auf Kommendes zuzusteuern. Das Heft zeigt so Wege auf, wie Kompetenzen über Jahre fördernd beurteilt werden können. Dazu gehören auch Fragen wie: Was weiss ich bereits? Was hat gut geklappt? Was habe ich Neues gelernt?

Im Idealfall nehmen die Schülerinnen und Schüler das Heft in die nächste Klasse mit und können ihre Lernspuren später als Nachschlagehilfen, quasi als NaTech-Portfolio, nutzen.

 

Natürlich lässt sich kritisch fragen, was das «Forschungsheft» als zusätzliches Element denn bringt, wenn die Lehrperson schon mit Klassenmaterialien und einem «Themenbuch» arbeitet? Die Antwort: Klassenmaterialien haben den Nachteil, dass sie nach Wochen oder Monaten häufig in Ordnern oder Mäppchen «verschwinden». Die Frage, wie zum Beispiel ein Experiment geplant oder besprochen werden könnte, muss dann bei neuen Themen von Neuem aufgerollt werden. Was gelungen und was nicht erfolgreich war, ist oft nicht mehr greifbar. Das Forscherheft bietet hier einen über zwei Jahre wachsenden, geordneten Überblick über Kompetenzen im Bereich des Forschens – verknüpft mit den verschiedenen Themenbereichen wie z.B. Stoffe, Vielfalt oder Magnetismus.

Damit die Kinder ihr Heft später mit Gewinn nutzen können, müssen ihre «Spuren» aber mehr als Notizen oder schnell hingeschriebene Gedanken sein. In der 3. bis 6. Klasse werden die Schülerinnen und Schüler ihre forschenden Aufträge deshalb zuerst mittels der Klassenmaterialien lösen, diese Aufträge mit anderen Kindern besprechen und erst die ergänzte Version ins Forschungsheft schreiben. Denn: Auch professionelle Forscherinnen und Forscher stossen oft auf Hindernisse und machen Fehler. Sie reden mit anderen darüber und profitieren von deren Ideen. Mit dem Forschungsheft wird diese kooperative Arbeitsweise konkret gefördert und eingefordert.

Von ganzheitlichem Forschungs­prozess ausgehend

Wie ist das Forscherheft nun aufgebaut? In der 1. und 2. Primarklasse verschreibt sich das Heft dem ganzheitlichen Forschungsprozess. Im Fokus stehen Situationen oder Geschichten und daran anschliessende Fragen, welche die Kinder auf individuellem Niveau zum Forschen und Erkunden anregen sollen. Zudem gibt es sehr offen gestaltete Seiten für eigene Forschungsideen.

Ab der 3. Klasse werden die unterschiedlichen Forschungstätigkeiten des Forschungskreises einzeln eingeführt und schliesslich im Rahmen eines individuellen Schlussprojekts in der 6. Klasse wieder zusammengefügt.

Verknüpfung des Forschungshefts mit dem Themenbuch

Die Aufträge des Forschungshefts stehen in engem Bezug zum «Themenbuch» und – ab dem 5. Schuljahr – auch zum digitalen Media-Book. Drei- bis fünfmal pro Lerneinheit wechseln die Schülerinnen und Schüler in das Forschungsheft, um etwas einzutragen oder nachzuschauen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Forschungsheft ist nicht ein «Jetzt-auch-das-noch»-Heft, sondern ein unverzichtbarer Teil des Lernens: Es ist gewissermassen eine «greifbare» und strukturierte Form der von ihnen erworbenen Kompetenzen, welche die Schülerinnen und Schüler bezüglich ihren forschenden Tätigkeiten in die oberen Klassen mitnehmen können.

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