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Unterricht gestalten – ein Selbstversuch

Hansruedi Hediger

Hansruedi Hediger
Redaktor

Ja früher – da herrschte die grosse Freiheit in der Unterrichtsgestaltung! Die Vorgaben des Lehrplans waren minimal. Es gab wenig Vorschriften und kaum Kontrollen. Einmal abgesehen vom jährlichen Unterrichtsbesuch durch den Schulinspektor, den ich als Junglehrer zwar fürchtete ... aber bald danach für ein weiteres Jahr wieder vergass.

Haben Sie sich auch schon gefragt, ob Sie der neue Lehrplan mit seinen sage und schreibe über 4000 Kompetenzbeschreibungen in Ihrer Unterrichtsgestaltung einschränkt? Ich wollte es genauer wissen, wählte im Fach Deutsch den 2. Zyklus (3. bis 6. Klasse) mit insgesamt 122 Kompetenzen und stellte mir dabei folgende Fragen: Welche Kompetenzen sind bereits selbstverständlicher Bestandteil meines Unterrichts? Welche berücksichtige ich noch nicht?

Die Kompetenzen schränken mich nicht ein, sie sind eher eine Stütze, ein Wegweiser im Unterrichtsalltag.

Das Fazit der Untersuchung ist für mich beruhigend: Über 90 Kompetenzbeschreibungen sind bereits Elemente meines Unterrichts. Die Kompetenzen schränken mich nicht ein, sie sind eher eine Stütze, ein Wegweiser im Unterrichtsalltag. Unterrichtsgestaltung bewegt sich immer zwischen dem Erfüllen der Vorgaben des Lehrplans, der Behörden und der Schulleitung auf der einen und der Verwirklichung der eigenen Konzepte auf der anderen Seite. Letztere hängen stark von den persönlichen Fähigkeiten und vom Stil der Lehrperson ab. Das aktive und vielseitige Gestalten des Unterrichts setzt eine gewisse Offenheit und Beweglichkeit der Lehrperson voraus. Ausserdem braucht es Mut, Fantasie und Kreativität. Und das wünsche ich Ihnen – trotz oder gerade mit dem neuen Lehrplan.