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Förderzirkel reloaded

Prozesse einleiten – Lernaktivitäten unterstützen – Lernleistungen aus­werten. So sind die drei Themen des diesjährigen profil-Zyklus überschrieben. Dass dabei das Thema «Beurteilung» nicht erst im dritten Teil wichtig ist, soll der folgende Beitrag in Erinnerung rufen. Von Werner Jundt.

Im Rahmen verschiedener kantonaler Lehrplanreformen der 90er-Jahre trat im Zusammenhang mit der Beurteilung ab und zu das Modell des «Förderzirkels» auf. Etwa in der Umsetzungshilfe zum Lehrplan Volksschule des Kantons Bern. Selten wurde dabei explizit erwähnt, auf welche Zeitspanne sich dieses Modell bezog. Man dachte wohl meistens an Beurteilungsanlässe – während und nach der Behandlung eines Unterrichtsthemas.

Bewusst nicht eingreifen ist oft die adäquatere Reaktion.

Tatsächlich spielen aber solche Regel­kreise in jedem begleiteten Lernprozess eine wichtige Rolle. Dank diesen kann die Lehrperson ihrer Rolle als Expertin gerecht werden, indem sie Lernaktivitäten unterstützt.

Je mehr wir wahrnehmen, je treffender wir diagnostizieren, je flexibler wir mit Lernsitua­tionen umgehen, umso stärker können wir das Lernen unserer Schülerinnen und Schüler fördern. Womit drei wichtige Kompetenzen professionellen Lehrer-/Lehrerinnenhandelns genannt sind:

  • Handlungen der Lernenden wahrnehmen,
  • eine Lerndiagnose aufstellen,
  • Lernbedingungen anpassen.

Zum Letzten gehört beispielsweise der Einsatz bestimmter Hilfsmittel, das Beeinflussen der sozialen Situation, das gezielte Modifizieren von Aufgaben, das Verändern der Anforderungen. Im Wahrnehmen, Diagnostizieren und Anpassen von Lernsituationen wird und bleibt man stark, indem man diese Fähigkeiten bewusst trainiert und sich mit Kolleginnen und Kollegen darüber austauscht.

Die Arbeit der Lehrperson in der Phase der Lernbegleitung vollzieht sich in «Mikroförderzirkeln», deren Dichte wesentlich für den Unterrichtserfolg verantwortlich ist. Das will nicht heissen, dass sich Lehrpersonen dauernd in die Lernprozesse ihrer Schülerinnen und Schüler einmischen sollen. Bewusst nicht eingreifen ist oft die adäquatere Reaktion.

Eigentlich stellt das Modell des Förderzirkels einfach dar, was wir beim bewussten Handeln immer tun: Uns ein Ziel setzen, die Lage analysieren und unser Vorgehen danach ausrichten. Zum Beispiel, wenn wir über den Fussgängerstreifen gehen, unser Essen zubereiten – oder eben unterrichten.

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