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Möglichst breit abgestützt

Wie lassen sich mathematische Leistungen bewerten? Das neue Lehrmittel «MATHWELT 2» bietet ein vollständig ausgearbeitetes Beurteilungskonzept. Von Beat Wälti.

Die Leistungsbewertung ist für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrpersonen ein allgegenwärtiges Thema – mit oder ohne Lehrplan 21. In den Kantonen wurden oder werden nun im Zusammenhang mit der Einführung des Lehrplans Beurteilungsformate gefordert, die sich auf verschiedene Beurteilungsgrundlagen stützen – nicht nur in der Mathematik. Im Kanton Bern sollen Produkte der Lernenden, die Bearbeitung von Lernkontrollaufgaben sowie die Lernprozesse in die Bewertung einbezogen werden. 

Mit dem Lehrmittel «MATHWELT 2» (vergleiche Seite 28 in diesem Heft) für das 3.–6. Schuljahr erscheint eine Handreichung zur Beurteilung. Sie enthält ein vollständig ausgearbeitetes Bewertungskonzept, das die Lehrpersonen ganz oder teilweise übernehmen oder auch anpassen und weiterentwickeln können. 

In den Kantonen wurden oder werden nun im Zusammenhang mit der Einführung des Lehrplans Beurteilungsinstrumente entwickelt, die die Leistungen der Lernenden auf drei «Schienen» bewerten – nicht nur in der Mathematik. Dabei werden drei Beurteilungsformen unterschieden, die in Tabelle 1 erläutert werden.

Produkte und Prozesse lassen sich im Gegensatz zu Tests in den Unterricht eingebettet beurteilen. Dazu nachstehend ein praktisches Beispiel.

Zur Produktebewertung reichhaltiger Aufgaben

Die Bearbeitung reichhaltiger Aufgaben kann – muss aber nicht – zu Produkten führen, die sich auswerten und bei Bedarf bewerten lassen. «MATHWELT 2» regt im Themenbuch die Arbeit an solchen Produkten an.

Die Aufgabe wird so gestellt, dass alle Kinder einen Einstieg finden. Gleichzeitig enthalten die Aufgaben Herausforderungen für schnell Lernende. Daraus lassen sich Kriterien ableiten, nach denen die Aufgabe bewertet wird. Um Durchschnittsberechnungen und Fragen der Gewichtung der einzelnen Anlässe vorzubeugen, empfehlen wir, die Produkte mit den Prädikaten ungenügend, genügend, gut und sehr gut zu bewerten.

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten 1 bis 2 Lektionen an einer Aufgabe, die in den Unterricht eingebettet und inszeniert wird. Bei Aufgabe 3 zum Thema «Längen und Flächen» kann dies für Lernende der 3. und 4. Klasse wie folgt aussehen:

Beurteilungskriterien für das 3. und 4. Schuljahr

Tabelle 2 zeigt die Beurteilungskriterien für verschiedene Anspruchsniveaus für das 3. und 4. Schuljahr in Bezug auf die gestellte Aufgabe. Der schwarze Punkt links symbolisiert das tiefste Anspruchsniveau – es entspricht dem Grundanspruch des Lehrplans. Höhere Anspruchsniveaus werden durch eine Verschiebung des schwarzen Punkts nach rechts gekennzeichnet. Lernende aus dem 3. Schuljahr bearbeiten dabei mindestens die Kriterien in der ersten Zeile. Schülerinnen und Schüler des 4. Schuljahres arbeiten mindestens auch an einem der Kriterien in der zweiten Zeile. Die Kriterien für das 5. und 6. Schuljahr sind entsprechend anspruchsvoller und werden hier aus Platzgründen nicht erläutert. Entsprechende Hinweise befinden sich jeweils in der Handreichung zur Beurteilung. 

In der hintersten Spalte wird der Fokus der Handlungsaspekte aus dem Lehrplan 21 aufgezeigt. In diesem Beispiel steht der Handlungsaspekt Mathematisieren und Darstellen (M&D) im Vordergrund.

Die drei Beurteilungsformen werden am Ende der Beurteilungsperiode (Semester oder Schuljahr) zu einer Zeugnisnote verdichtet. Tabelle 3 führt aus, wie eine solche Verdichtung vollzogen werden kann.

Kernanliegen der Leistungsbewertung mit «MATHWELT» ist, die Beurteilung möglichst breit abzustützen und der Arbeit an reichhaltigen Aufgaben mehr Gewicht zu verleihen.

Tabelle 1: Beurteilungsgegenstände

Tabelle 2: Beurteilungskriterien

 

Tabelle 3: Gesamtbeurteilung