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Pythagoras finde ich unnötig

«Ich stelle eigentlich noch recht viele Sachen in Frage, die die Lehrpersonen im Unterricht bieten», sagt Nadeschka zum obligatorischen Unterrichtsstoff. Auch Elena, Noël und Luc haben sich darüber schon Gedanken gemacht. – Ein Gespräch mit vier Oberstufenschülerinnen und -schülern.

Elena Normalerweise «fressen» wir im Unterricht, was uns vorgesetzt wird, und ich habe mir bisher nicht so viel überlegt, warum und wieso. Ich denke gar nicht darüber nach, dass ich persönlich etwas daran ändern könnte.

Nadeschka Ich stelle eigentlich noch recht viele Sachen in Frage, welche die Lehrpersonen im Unterricht bieten.

Noël Aber irgendwo ist sicher festgelegt, was wir jeden Monat und jedes Jahr durchnehmen sollen. Trotzdem ist es wahrscheinlich so, dass die Lehrpersonen im Grossen und Ganzen selbst bestimmen können, wie viele Lektionen sie für ein Thema aufwenden wollen.

Nadeschka Ich finde jedoch vieles in Mathe nicht nötig. Aber das hat sicher damit zu tun, dass ich es nicht gerne mache. Zum Beispiel Pythagoras finde ich unnötig. Wann brauche ich das später noch? Warum braucht das später eine Verkäuferin?

Luc Aber es gibt doch auch Sachen, die du später in deinem Beruf brauchst. Und das weisst du jetzt noch gar nicht. Und vielleicht braucht das nur ein Einziges aus der Klasse, weil er oder sie das später studiert. Deshalb frage ich mich schon, ob das alle lernen müssen. Ich weiss zum Beispiel schon jetzt, dass ich einen Beruf wähle, für den ich nicht wissen muss, was Satzglieder sind. Ich werde eher etwas lernen, das mit Mathe zu tun hat.

Elena Ich finde oft etwas langweilig, das vielleicht für das spätere Leben trotzdem nötig ist. Ich nehme aber an, was wir im Unterricht normalerweise behandeln, spielt eine Rolle, ist wichtig. Die Wüstenarten jedoch, die wir in den letzten Wochen durchgenommen haben, finde ich nicht nötig.

Nadeschka Aber Elena, das gehört doch auch zur Allgemeinbildung.

Elena Ich muss doch nicht wissen, wie diese Wüsten genau aussehen und wo sie liegen. Ich lebe ja nicht in oder in der Nähe von Wüsten.

Luc In jedem Unterrichtsfach gibt es Teile, die zur Allgemeinbildung gehören. Ich muss wissen, dass elektrischer Strom gefährlich ist, oder dass ich für die Reise im Zug nach Paris etwa vier Stunden brauche. Auch möchte ich mich mit besser gebildeten Leuten unterhalten können. Dazu brauche ich eine gute Allgemeinbildung, damit ich dazu­gehören kann.

Noël Auch sollte man rechnen können, damit man sich selbstständig durchs Leben schlagen kann: Im Supermarkt den Preis überschlagen können, Rechnungen bezahlen, abschätzen, wozu der Lohn reicht. Mit dem Einkommen planen, rechnen und einteilen können.

Elena Sich verständigen als Allgemeinbildung heisst auch schreiben, lesen und reden können. Ebenfalls ein gutes Benehmen und Anstand gehören dazu. Aber das Problem ist, dass viele Kinder das zuhause gar nicht mehr lernen. Und die Schule kann das ja nicht einfach übernehmen.

Noël Früher hatte man viel weniger Schule. Vielleicht auch, weil das Allgemeinwissen kleiner war als heute. Fremdsprachen, Sport, Musik waren nicht dabei, dafür Lateinisch, was heute nicht mehr viel nützt. Das zeigt auch, dass sich die Vorstellung von Allgemeinwissen stark verändert hat.

Nadeschka Wenn du gar keine Allgemeinbildung hast, wirst du sofort als etwas dumm abgestempelt und in «eine Schublade» gesteckt. Natürlich kann man heute fast alles im Internet nachschauen, aber um sich dort zurechtzufinden, braucht es auch Voraussetzungen, eben eine minimale Bildung. Und die sollte die Schule abdecken.

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