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Meine liebste Kuh heisst Edelweiss – oder wenn der Stall lockt

Rahel ist selbstbewusst und offen und lässt einen ihre Begeisterung für die Landwirtschaft gut spüren. Sie ist gelernte Bäuerin und hat eine Zusatzausbildung zur Besamerin abgeschlossen. Auf Bestellung beliefert sie Landwirtschaftsbetriebe und übernimmt die künstliche Besamung der Kühe. In der fast reinen Männerwelt muss sie sich behaupten, was ihr aber dank ihrer Umgänglichkeit locker gelingt. Manchmal verschafft es ihr zusätzlichen Respekt, wenn sie als diejenige erkannt wird, die letztes Jahr den Melkwettbewerb mit anspruchsvoller Theorie und Praxis gewonnen hat. Darauf ist sie immer noch und zu Recht stolz. Als Preis wurde ihr der Besuch der «Euro Tier», einer landwirtschaftlichen Messe in Hannover, offeriert.

Besonders den Frühling mag Rahel (hier als Neunjährige), wenn alles wieder zu wachsen beginnt und neu anfängt.

Rahel interessiert sich schon als kleines Kind für die Landwirtschaft, für die Tiere, für den Stall, für die Feldarbeit. Bereits früh wird sie, wie auch ihre drei Geschwister, von den Eltern in die tägliche Arbeit eingebunden. In der dritten Klasse übernimmt Rahel das Melken der 25 Kühe das erste Mal alleine. Ihre Eltern lassen sie gewähren und sind in der Nähe, wenn es ihre Unterstützung braucht. Aber alles geht gut, und Rahel meistert ihre Aufgabe mit Bravour. Noch gut erinnert sie sich an das kleine Holzböckli, das sie benötigt, da sie zum Anschliessen der Melkmaschine zu klein ist. Überhaupt darf sie schon als Kind viel Verantwortung übernehmen, was sie zuverlässig und gerne macht. Sie kümmert sich um die Kaninchen, erledigt mit ihren Geschwistern regelmässig die Stallarbeit am Abend, tränkt die Kälber, hilft kochen und backen und darf auch schon mal unerlaubterweise Traktor fahren, wie sie zugibt. Ihre liebste Kuh heisst «Edelweiss». Auf ihr kann Rahel sogar reiten. Bei all der Arbeit stehen für die Eltern aber stets die Schule und genügend Freiraum zum Spielen im Vordergrund. Zeit für aufwendige Hobbys hat sie nicht und braucht sie nicht. Ein paar gute Freundinnen und das freiwillige Turnen reichen. Auch ab und zu Skiferien oder eine schöne Wanderung mit den Eltern liegen drin. Jeder Tag, ob drinnen oder draussen, ist für sie abwechslungsreich. Besonders den Frühling mag Rahel, wenn alles wieder zu wachsen beginnt und neu anfängt. Aber sie muss auch lernen, dass nicht alles schön ist, zum Beispiel, wenn eine Kuh oder ein Kalb stirbt oder wenn das Wetter allzu lange schlecht ist. Den Eltern verdankt sie vieles, vor allem die Einstellung zur landwirtschaftlichen Arbeit und zur Natur.

Rahel kann noch heute nicht gut untätig sein, wenn sie weiss, was es zu tun gibt. Und da die Arbeit als Besamerin ihre Tage nicht immer ausfüllt, ist sie immer noch regelmässig auf dem elterlichen Bauernbetrieb anzutreffen, wo sie gerade jetzt mit einer ihrer Schwestern und dem Bruder die Ferienvertretung für die Eltern übernimmt. Zusätzlich arbeitet sie im Organisationskomitee für den nächsten Melkwettbewerb mit, für den sie schon jetzt auf der Suche nach geeigneten landwirtschaftlichen Betrieben ist. Sorgen bereiten ihr nur die bisher spärlichen Anmeldungen für den Wettbewerb. Ob es wohl noch einmal eine Ausschreibung in der Bauern Zeitung braucht?

Gerne würde Rahel einmal einen eigenen Bauernhof übernehmen. Gut, dass ihr Freund nicht Banker, sondern Landwirt ist.

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