farbwelt

Non scholae sed vitae …?

Peter Uhr

Die alten Römer waren sich da noch sicher: Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben. Und heute? Da befragen wir doch am besten drei «Spezialisten», die diese Grundfrage beantworten können. Der Harmoniebedürftige weiss: «Natürlich lernen wir für beides, Schule und Leben schliessen sich keineswegs aus.» Aber wer fragt uns nach der Schule je, warum welches Verb den Akkusativ verlangt? Und wie ist es mit den sogenannten innermathe­matischen Themen?

Aber wer fragt uns nach der Schule je...

Der Humanist wiederum sieht diesbezüglich glasklar: «Es gibt sinnvollerweise einen kulturell verankerten Kanon von Wissensinhalten, die es auch für die Zukunft zu bewahren gilt.» Wer würde dem widersprechen wollen? Aber wenn wir die lehrplangebundenen oder freien Inhalte mit der Frage «Was bleibt von alledem?» verbinden, dann werden wir bezüglich nachhaltiger Lernerfolge wohl etwas bescheiden werden. Denn da greift der Hirnforscher ein: «Es bleibt, was emotional – positiv oder negativ – aufgeladen ist: Also die Top-Noten oder das Versagen, eine unverdaute Ungerechtigkeit, die Prüfungsangst, die Begeisterung der Lehrerin …». Ist es also das, was wir aus der Schulzeit ins weitere Leben übernehmen?