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Anfangen im Beruf. Das A und O des Berufseinstiegs.

Was gehört zum A und O des Berufseinstiegs als Lehrerin oder als Lehrer? Was ist zu tun oder zu unterlassen, dass der Berufseinstieg als Aahh und Oohh und nicht als Ach und Och erlebt wird? Das sind die Fragen, mit denen sich das Team des Fachbereichs Berufseinstieg des Instituts für Weiterbildung und Medienbildung der PHBern beschäftigt.
Von Stephan Hasler-Dul.

Eine kleine Einstimmung zum Anfang: Können Sie sich noch an Ihren Berufseinstieg erinnern? Kommen Personen, Handlungen, Stimmungen, Inhalte zurück, entsteht ein Bild, oder läuft gar ein innerer Film ab? Haben Sie Ihren eigenen Anfang im Beruf als erfolgreich und reibungslos erlebt, oder gab es Höhen und Tiefen, gar Abstürze? Haben Sie sich gut begleitet und aufgehoben gefühlt, oder fühlten Sie sich alleingelassen? Diese und weitere Themen spricht das Team Berufseinstieg mit den neuen Kolleginnen und Kollegen nach den ersten Wochen der selbstverantworteten Praxis an und macht Jahr für Jahr ähnliche Erfahrungen.

 

Erfreuliche Erfahrungen

Das Wichtigste am Anfang: Berufseinstieg gelingt! Wenn sich Berufseinsteigende nach den ersten paar Arbeitswochen entscheiden für die Einteilung «bis jetzt erfolgreich und reibungslos», «bis jetzt eher durchzogen», «bis jetzt mühsam und harzig», ergibt sich regelmässig das gleiche Bild: eine grosse Mehrheit erlebt den Berufseinstieg als gelungen, wenige (jeweils ungefähr 10–20 %) erzählen von Stolpersteinen und schwierigen Situationen, sind aber im Grossen und Ganzen mit dem Erreichten zufrieden und – zum Glück nur vereinzelte Stimmen – sprechen von Überforderung und einem Misslingen auf der ganzen Linie.

Fragt man nach den Gelingensbedingungen, werden folgende Aspekte am häufigsten genannt:

›› Persönlichkeit der Berufseinsteigenden

›› (Persönliche, fachliche, methodische, didaktische Kompetenzen, Reflexions- und Wahrnehmungsfähigkeit, klare, wertschätzende Kommunikation und der sichere Auftritt)

›› Lernfreudige, begeisterungsfähige Klasse

›› Kompetente Schulleitung

›› Unterstützende Mentorin, hilfreicher Mentor

›› Interessiertes, offenes Kollegium ›› Wohlgesinnte, unterstützende Eltern

›› Gutes Umfeld (Infrastruktur, Schulkultur)

›› Der Besuch der Angebote des Fachbereichs Berufseinstieg

Die Angebote orientieren sich an den Bedürfnissen der Teilnehmenden. Deshalb arbeiten die Teilnehmenden selbstgesteuert, und es gilt das Holprinzip.

Je mehr dieser acht Punkte vorhanden sind, desto integrierter fühlen sich die Berufseinsteigenden und desto einfacher und kleiner gestalten sich die Herausforderungen. Wenn aus der Herausforderung eine Überforderung wird, fühlen sich die jungen Kolleginnen und Kollegen allein (gelassen) und einsam.

Zentrale Prinzipien

Anfangen heisst, sich auf Neues, Unbekanntes einlassen. Man tut Dinge, die man noch nie gemacht hat und ist unsicher, ob die Ressourcen für die Bewältigung der Anforderungen genügen werden. Um die nötige Sicherheit und vor allem die Zuversicht zu erarbeiten oder zu vergrössern, haben die berufseinsteigenden Lehrpersonen die Möglichkeit, sich vom Dozierendenteam «Berufseinstieg» des Instituts für Weiterbildung und Medienbildung unterstützen und begleiten zu lassen.

Die Konzeption der Angebote basiert auf der Grundlage, dass die Studienabgängerinnen und –abgänger grundsätzlich für ihre Aufgabe ausgebildet und bereit sind. Deshalb beruhen alle Angebote auf Freiwilligkeit. Die Angebote orientieren sich an den Bedürfnissen der Teilnehmenden. Deshalb arbeiten die Teilnehmenden selbstgesteuert, und es gilt das Holprinzip. Die Angebotsleitungen beschränken sich auf nötige und gewünschte Impulse.

Bewährte Angebote

Es gibt drei verschiedene Formate:

›› Angebote zur Planung (Planungswoche und -tage im Sommer, Herbst, Frühling)

›› Coaching (Einzelcoaching und Praxisbegleitgruppe/ Supervision)

›› Vertiefungsphase mit «Boxenstopp» II–V mit den Inhalten Beurteilung, Zusammenarbeit mit Eltern, Beziehung, Klassenmanagement, Zusammenarbeit im Team.

Zusätzlich wird am Schluss der Berufseinstiegsphase eine Standortbestimmung angeboten.

Das grösste Angebot ist die Planungs- und Orientierungswoche, die jeweils in der ersten Woche der Sommerferien stattfindet und weit über 300 Teilnehmende anzieht. Alle Angebote für Berufseinsteigende sind kostenlos und freiwillig.

Nicht direkt an die Berufseinsteigenden gerichtet, jedoch in sehr hohem Mass zu ihrem Nutzen wird jährlich ein Einführungskurs für schulinterne Begleitpersonen (Mentorat) durchgeführt. Die für die Personal(ein)führung verantwortliche Schulleitung kann einzelne Aufgaben an Mentorinnen und Mentoren delegieren. Im Kurs erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich intensiv auf diese anspruchsvolle und dankbare Aufgabe vorzubereiten. Detaillierte Informationen stehen auf der Website bereit: www.phbern.ch/berufseinstieg

Selbstverständlich können Berufseinsteigende auch das beliebte Forum für Lehrpersonen (www.lehrperson-bern.ch) nutzen, das von Berufseinsteigenden rege aufgerufen wird.

Dozierendenteam «Berufseinstieg»

Im Team arbeiten neben dem leitenden Fachbereichsverantwortlichen fünf Personen mit, die je für eine Stufe und die Zyklen verantwortlich zeichnen. Alle Stufenleitenden haben Praxiserfahrung und eine Weiter- bzw. Ausbildung in Beratung und Coaching.

Unterstützt wird das Team in einzelnen Angeboten von JuniorCoaches. Sie sind ehemalige Teilnehmende, die sich für diese Aufgabe als geeignet erwiesen haben. Eine weitere Unterstützung erhält das Team während der Planungs- und Orientierungswoche durch die Mitwirkung von weiteren Dozierenden des IWM und der Grundausbildung.

Motivierende Rückmeldungen

Weil die Angebote sehr auf die Bedürfnisse und Anliegen der jungen Kolleginnen und Kollegen eingehen und weil diese die Inhalte und Ziele selbst bestimmen und meistens auch erreichen, sind die Rückmeldungen in hohem Masse sehr positiv. Sie zeigen, dass es den Kursleitungen gelingt, den Teilnehmenden zu ihrem Ahh und Ohh zu verhelfen. Unter dem Motto «Hilfe zur Selbsthilfe» schreibt eine Teilnehmerin, die von der Fülle und der Intensität der an sie gestellten Anforderungen überrascht wurde und die mit den eigenen hohen Ansprüchen die Anforderungen zur Überforderung anwachsen liess:

«Ich hatte keinen einfachen Einstieg und habe«den Rank gefunden»; das macht mich stolz. Ich war froh um Hilfe, auch um deine Hilfe,die mir geholfen hat, die Situation zu analysieren. Ich habe es interessant gefunden, wie du, indem du die richtigen Fragen gestellt hast, recht viel über meine Situation herausgefunden hast und mir aufzeigen konntest, wie ich mir helfen kann.»

Eine andere junge Kollegin traf gleich zu Beginn auf eine anspruchsvolle und fordernde Elterngruppe, die bei ihr mit einem forschen und fordernden Auftreten eine heftige Verunsicherung auslöste. In der Beratung wurden die Möglichkeiten der Lehrerin beleuchtet und nach Motiven der Eltern geforscht. Durch den Perspektivenwechsel und die Stärkung der kommunikativen Kompetenzen konnte die Berufseinsteigerin ihre innere Sicherheit wieder finden und trat in der Folge entsprechend souverän auf. Sie schreibt:

«Ich hatte heute gerade drei gute Elterngespräche mit S & S der 9. Klasse. Eines davon war eine Mutter, die zuvor sehr forsch aufgetreten war. Heute war das ganze Gespräch angenehm und hilfreich.»

Dank solcher Rückmeldungen funktioniert auch die Mund-zu-Mund-Propaganda ausgezeichnet. Zusammen mit einer Palette von weiteren Werbemassnahmen des Fachbereichs kann sichergestellt werden, dass die Angebote des Berufseinstiegs allgemein bekannt sind und so bei Bedarf auch wirklich genutzt werden.

Blick in die Zukunft

Aktuell werden die Nahtstellen von Grundausbildung und Weiterbildung ausgebaut und gestärkt. Mit der Definition von Meilensteinen am Ende der Grundausbildung und nach zwei Jahren Berufstätigkeit (und generell während der Berufslaufbahn) wird ein Instrument der Kompetenzerfassung und –erweiterung erarbeitet. Dieses soll den Lehrpersonen helfen, ihre Kompetenzen zu erkennen, den individuellen Unterstützungs- bzw. Weiterbildungsbedarf zu definieren und so die Weiterbildungsplanung zusammen mit der Schulleitung gezielt vornehmen zu können. Die Ausbildung ist zwar nach der Grundausbildung und mit dem Diplom im Sack zu Ende, mit dem Anfang des ersten eigenverantworteten Unterrichts beginnt jedoch die lebenslange Weiterbildung – ein neuer Anfang… Hier eine kleine Auswahl von Tipps der Junior Coaches:

›› Gib dir Zeit anzukommen, dich einzuleben und Erfahrungen zu sammeln.

›› Überprüfe deine Ansprüche an dich selbst immer wieder kritisch.

›› Zeit in die Beziehungsarbeit investieren.

 

Weitere solcher Tipps finden Sie im Downloadbereich des Magazins: https://profil-online.ch/dbox/118.1/

Stephan Hasler-Dul Fachbereichsverantwortlicher Berufseinstieg, Institut für Weiterbildung und Medienbildung PHBern

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