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Julia Koch

Julia Koch

Oberstufenlehrerin und Autorin

Zur Begrüssung einen toten Fisch

Seit fast zwanzig Jahren versuche ich meinen Schülerinnen und Schülern eine Sache beizubringen, die nicht als wichtig genug bewertet werden kann: den anständigen Händedruck. Nicht so fest, dass mein Fingerring einen schmerzhaften Abdruck hinterlässt, aber eben auch nicht so lasch wie ein toter Fisch. Wussten Sie, dass man als Oberstufenlehrperson den Schülerinnen und Schülern jede Lehrperson anmerkt, die sie im Verlaufe der Schulzeit unterrichtet hat? Bestimmt wurde bereits im Kindergarten anständig gegrüsst, und der Lehrer der zweiten Primar legte vielleicht besonders Wert auf eine anständige Heftführung. Der Lehrerin der vierten Klasse waren eine schöne Wortwahl und faires Spiel im Sport wichtig. Alles Themen, die jede Lehrperson in den Unterricht integrieren soll. Aber da gibt es eben immer wieder jene, die einen ganz besonderen Eindruck hinterlassen, und dieser ist bis in die Oberstufe spürbar. Wenn man aber bedenkt, dass ich in der 9. Klasse noch immer mit dem toten Fisch beschäftigt bin, könnte sich der eine oder andere Pädagoge fragen, ob nicht alles Händeschütteln bislang für die Katz gewesen ist. Denen sei gesagt, dass die physischen und psychischen Veränderungen, sprich Pubertät, alles über den Haufen zu werfen vermögen. Da ist plötzlich etwas furchtbar peinlich, was bislang selbstverständlich war.

Wussten Sie, dass man den Schülerinnen und Schülern jede Lehrperson anmerkt, die sie unterrichtet hat?

Die ganze Schulzeit, vom Kindergarten bis zum Abschlussjahr, ist ein einziger langer Weg, auf dem die Erwachsenen die Kinder begleiten. Mit mehr oder weniger Erfolg, wie sich im Verlaufe der Zeit herausstellt. Besagter toter Fisch zeigt sich jedoch erstaunlich resistent. Ja, es soll sogar schon tote Fische gegeben haben, die sagenhafte zehn Schuljahre überlebt haben!

Julia Koch

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