farbwelt

fmr

 

Werner Jundt

Es begab sich im Sommer des Jahres 2004 …

Das fmr ist eine boîte am Ufer des Canal St. Martin, der die Stadt Paris rive droite von Nordosten bis zur Seine durchquert. Träge fliesst das Wasser von Schleuse zu Schleuse. Nichts mehr erinnert an den sprudelnden Bach von einst. Lange war «fmr» eines jener unzähligen mir nicht zugänglichen Kürzel, von denen französische Zeitungen strotzen. Dann las ich einmal den Namen des Lokals in voller Länge: Le point éphémère. Keine eigentliche Abkürzung, eher eine phonetische Umschreibung. Ephemer – das Wort gibt es auch im Deutschen: vergänglich, kurzlebig, vorübergehend. Der Name ist Programm. Was in der mit Graffitis zugedeckten ehemaligen Werkstatt neben der Feuerwehrkaserne des 10. Arrondissements abgeht, ist nicht für die Ewigkeit gedacht. Hier zählt der Moment. Wenn die Künstler auf der Bühne ihr Bestes geben, das Publikum tobt und der ganze Raum ein zitterndes Ganzes wird. «Good vibrations» – ein schwer zu übersetzender Ausdruck. Alle wissen: Das ist rasch vorbei.

Auch Schule fliesst bisweilen träge. Stunden, Tage, Wochen, Schuljahre. Schulklassen. Von Schleuse zu Schleuse.

Dann gehst du hinaus – und bist im besten Fall ein anderer Mensch. Nicht weit vom fmr ist eine Primarschule. Auch Schule fliesst bisweilen träge. Stunden, Tage, Wochen, Schuljahre. Schulklassen. Von Schleuse zu Schleuse. «Was bleibt von der Schule?», haben wir in der vorletzten Profil-Ausgabe gefragt. Es sind die einmaligen Momente, die starken Erlebnisse, die «good vibrations» eben. fmr zwar. Aber die dabei waren, sind andere geworden.

 

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