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Fabio unterwegs

Fabio hat es geschafft: Als Abschlussarbeit im 9. Schuljahr hat er sich einen Fahrrad-Wohnwagen gebaut. Ein Einblick in die Projekt­reise, die ihn von Luzern bis nach Zürich führte. Von Christian Graf.

Es ist so etwas wie die Kür der Volksschule: das selbstständige Projekt, das Schülerinnen und Schüler im 9. Schuljahr realisieren können. Sie beweisen sich und anderen, dass sie planen, umsetzen und dokumentieren gelernt haben. Und mit Unterstützung der begleitenden Lehrperson gelingt es Jugendlichen, ihre selbst gesetzten Ziele zu erreichen. Doch dieser Weg ist lang, wie ein Blick das Beispiel von Fabio Gugliotta aus Horw zeigt.

Die Idee für sein Abschlussprojekt im 9. Schuljahr kommt Fabio im Spital. Um sich die Langeweile während eines längeren Spitalaufenthaltes zu vertreiben, schaut er sich auf Youtube um und entdeckt Videos über Fahrrad-Wohnwagen. Er will etwas Grosses machen, seinen eigenen Wohnwagen, den er an sein Fahrrad hängen kann. Er stellt sich vor, wie er zu zweit an einem schönen See campieren wird. Am 30. Januar 2017 ist es soweit: Seine Anmeldung für die Abschlussarbeit wird von der Lehrperson akzeptiert. Die Reise kann losgehen.

Im Vertrag mit seinen Eltern beschreibt Fabio sein Projekt:

«Ich werde einen Fahrrad-Mini-Wohnwagen bauen. Ich werde im Garten meines Gross­vaters bauen und teilweise auch vor meinem Haus. An Geld werde ich versuchen, einen Sponsor zu finden. Wenn das nicht möglich sein sollte, versuche ich einen Spendenaufruf und ich werde ein bisschen Privatbesitz verkaufen. Geschätzte Summe 400 bis 1000 Franken. Im Notfall werde ich einen Freizeitjob antreten.»

Fabio beginnt, seinen Wohnwagen zu zeichnen, doch schnell wird ihm geraten, einen professio­nellen Plan anzufertigen. Die Lehrerin Technisches Zeichnen berät ihn, so dass er binnen einer Woche einen detaillierten Bauplan vorweisen kann. Diesen will er zusammen mit ein paar Bildern dem potenziellen Sponsor vorlegen. Vorgängig erkundigt er sich beim Strassenverkehrsamt Luzern über die Vorgaben und Einschränkungen. Erste Nervosität kommt auf:

«Zurzeit bin ich noch nicht zufrieden mit meiner Leistung. Ich komme nicht genug schnell voran. Ich bin aber stark davon überzeugt, dass alles klappt.» (Journaleintrag, 7. März 2017)

Die Zuversicht schlägt rasch um: Der in Deutschland bestellt Anhänger wird verspätet angeliefert, der Sponsorenantrag wird abgelehnt. Nun muss Fabio seinen Plan B umsetzen. Er vereinbart mit seinem Vater, dass er zur Finanzierung seines Projekts 13 Wochen lang mittwochs und samstags im Restaurant mitarbeiten wird. So kann Fabio nun also zu investieren beginnen und das für das Wohnmobil benötigte Material einkaufen. Doch wieder drängen sich Änderungen auf:

«Der Transport mit dem Holz wurde kompliziert. Das Auto war zu klein.»

Und auch beim anschliessenden Bearbeiten der Materialien verläuft nicht alles reibungslos:

«Bei den Ausschneidungen habe ich mich heute ein bisschen verletzt und es wurde mit grossem Aufwand gebaut. (…) Ich muss auf das Gewicht aufpassen. Ich brauchte anfangs viel für die Ausschneidungen des Holzes, weil ich nicht die geeigneten Werkzeuge hatte. (…) Mich freut es, dass ich heute so gut weitergekommen bin.» (11. April 2017)

Fabio kommt gut voran mit seiner Arbeit, sein Wohnwagen nimmt Gestalt an, doch ein anderes Problem begleitet ihn weiterhin: «Es gab drastische Geldprobleme, die mich gezwungen haben, Sachen zu verkaufen. Inzwischen ist die Lage stabil. Ich kam nicht so effizient voran in den Ferien aufgrund des Finanzabfalls. Ich sollte mir schon mal vorstellen, was für ein Türsystem ich anwenden werde. (…) Wenn ich es schaffe, die nächsten Aufträge zu halten, wird das alles perfekt. Ich freue mich schon auf die Reise, die ich machen und dokumentieren werde.» (2. Mai 2017)

Detailliert dokumentiert Fabio die Bauphase im Mai, langsam kommt im Hinblick auf den «Abgabetermin» seines Projektes Hektik auf. Gut also, dass ihn sein Vater bei den schwierigen und heiklen Arbeiten unterstützt.

«Am nächsten Tag habe ich den Anhänger mit einem roten Strich lackiert. Und zusätzlich das Logo des Sponsors (den ich nachträglich doch noch erhalten habe) daraufgeklebt. (…) Ein paar Tage später habe ich eine Probefahrt gemacht. Sie fiel negativ aus: Als ich bremste, hat es meine Bremsen am Fahrrad verjagt.»

Am letzten Tag vor der Projektabgabe muss Fabio einen neuen Rückspiegel am Fahrrad montieren, aufgrund seiner Inkompetenz, wie er das Missgeschick nennt: «Ich habe versucht, in den Anhänger einzusteigen, aber die Stützen waren nicht unten, woraufhin mein Fahrrad umkippte.» Im letzten Moment wird die Türe fertig und die Photovoltaik-Anlage montiert – nun ist alles bereit für den ersten Ausflug. Die Dokumentation endet mit dem Satz:

«Ich habe an diesem Tag sogar auch noch Sachen eingekauft für die Reise … »

Fragt man Fabio nach seinen besten Erinnerungen in Zusammenhang mit seinem Projekt, zögert er nicht lange mit der Antwort:

«Die Kommentare der Personen, die gedacht haben, dass ich es nicht schaffe. Dieses Triumphgefühl werde ich nicht mehr vergessen.»

Dagegen ist sogar die Erinnerung an seine Reise mit dem Fahrrad-Wohnwagen von Luzern nach Zürich zweitrangig.

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