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Die Schule kommt mit mir

Mario Muntwyler, Grosssohn des Zirkusgründers Guido Muntwyler, ist mittlerweile 21-jährig. Als Zirkuskind aufgewachsen, weckt er immer wieder das Interesse der Medien. Trotzdem gibt er sich bescheiden.

Mario empfängt im Winterquartier des Circus Monti in Wohlen AG nicht in einem Wohnwagen, sondern im Sitzungszimmer des Betriebsgebäudes. Mario erzählt selbstkritisch und offen über seine Kindheit und Schulzeit unterwegs:

«Die Zirkuswelt hat mich geprägt und prägt mich auch heute.

Als Kind war ich meist unter Erwachsenen – Artisten, Angestellten und Familienmitgliedern –, und nur in der viermonatigen Winterpause hatte ich im Kindergarten und in der Schule vermehrt Kontakt zu Gleichaltrigen.»

Mario betont aber, er habe diese Kontakte kaum vermisst, er habe sich eigentlich immer dort zuhause gefühlt, wo der Zirkus gerade gewesen sei. Und nach der Winterpause habe er sich jeweils wieder auf die Tournee und auf das Unterwegssein gefreut. «Wenn ich jeweils von Kollegen Bilder aus den Sommerferien oder von der Schule erhielt, störte mich das nie. Ich kannte nichts anderes. Einzig in einem Fussballclub hätte ich als Kind – gemeinsam mit meinen Schulkollegen – gerne regelmässig mitgemacht.»

Die Eltern haben Mario nie gedrängt, im Zirkus mitzumachen. Trotzdem stand er mit sechs Jahren zum ersten Mal mit einer Diabolonummer – gemeinsam mit Vater und Bruder Tobias – in der Manege. Seither steht er in der Monti-Manege, als Soloartist oder in Darbietungen mit dem gesamten Ensemble. Einzig zu einer Ausbildung ausserhalb des Circus Monti verpflichteten ihn seine Eltern nach der Schulzeit.

Während der achtmonatigen Tournee fand der Unterricht durch die Zirkuslehrperson in einem speziellen Wohnwagen statt. Die Lehrerinnen und Lehrer halfen immer auch in anderen Bereichen mit, an der Zircuskasse, im Buffetbereich oder an der Bar. Mit ihnen war man wie mit allen im Circus Monti per Du, ob im Unterricht oder auf dem Zirkus­gelände.

Der Stundenplan richtete sich nach dem Zirkusbetrieb. Fanden der Transport und der Aufbau des Zeltes am Morgen statt, hatte der Unterricht am Nachmittag zu folgen. Die Lehrperson stand stets in Kontakt mit der Schule in Wohlen, erhielt von dort die Unterrichtsinhalte und die schriftlichen Prüfungen, die sie nachher zum Korrigieren zurückschickte. Neben den Hauptfächern wurden auch Werken, Musik und Sport unterrichtet. Letzterer halt auch mal draussen oder mit den Artisten zusammen in der Manege. «Kam ich nach der langen Sommertournee wieder zurück in die öffentliche Schule», erzählt Mario weiter, «hiess es meist ‹der Monti ist wieder da›. Aber ohne Neid, ohne viel Aufhebens oder gar Mobbing.

Ich fühlte mich gut aufgehoben und aufgenommen und erkannte in beiden Schulsituationen das Positive.

Dauerhafte Freundschaften unter Gleichaltrigen zu erhalten, war hingegen eher schwierig.» Nach seiner Schulzeit begann Mario eine KV-Lehre in Wohlen. Der Lehrbetrieb kam ihm entgegen. Marios Anwesenheit wurde so gut wie möglich auf den Tourneeplan und auf seine Auftritte abgestimmt. Die Berufsschule in Aarau hingegen besuchte er ohne Ausnahme und nahm dadurch auch längere Schulwege in Kauf. Und wie sieht sich Mario heute? «Der Circus Monti ist für mich wie eine Familie. Ich fühle mich im Team gut aufgehoben und anerkannt. Deshalb bin ich nach verschiedenen Engagements – auch im Ausland – wieder zurückgekommen. Ich erledige die Buchhaltung und arbeite in anderen administrativen Bereichen mit. Auch stehe ich immer wieder als Jongleur in der Manege. Meine Erfahrungen in andern Circusbetrieben haben mir bewusst gemacht, was mir hier gefällt.»

 

 

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