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«Die Monte-Rosa-Hütte war meine Inspiration

Ende Juni präsentierten 14 Schülerinnen und Schüler des 9. Schuljahres im Rahmen des Wettbewerbs «Projekt 9» ihr Abschlussprojekt. Es ist der zehnte und zugleich letzte Final in dieser Form. Neue Wege sind in Vor­bereitung. Von Agathe Schudel.

 

Schlacksige Jugendliche mit zu grossen Füssen, erwartungsfrohes Gekicher, zusammenstehende, aufgeregte Gruppen, PH-Studentinnen, die flink die letzten Vorbereitungen treffen. Das erwartet mich um neun Uhr morgens beim Eingang zum riesigen Hörsaal der PHLuzern. Dieser füllt sich innert Kürze bis auf den letzten Platz. Dann wird es – zu meinem Erstaunen – mucksmäuschenstill. Die Spannung im Saal voller Jugendlicher steigt. Es scheint, als liessen sie brav die Begrüssung von Erich Lipp, Verantwortlicher des Wettbewerbs «Projekt 9», über sich ergehen. «Ich bin heute auch mit einem traurigen Herzen dabei, denn dieser 10-Jahres-Jubiläumsfinal ist der letzte in dieser Form», so Lipp. Diese Mitteilung scheint die anwesenden Jugendlichen einstweilen nicht zu kümmern. Denn sie sind gekommen, um der Hauptsache beizuwohnen: der Präsentation ihrer Klassenkollegin/ihres Klassenkollegen sowie der Rangierung und Prämierung durch die Jury. Angetrieben durch das Setting des Wettbewerbs erhofft sich jede Klasse den ersten Platz für ihr Klassenmitglied, um teilzuhaben am Siegesgefühl. Entsprechend gross und lautstark sind jeweils der Applaus und die Zurufe vor und nach der Präsentation.

Wer gewinnt?

Die Jury zieht sich zurück. Es dauert, bis sie wieder erscheint. Umständliches Herumdrucksen und die Worte darüber, wie schwierig – und im Grunde unmöglich, auch etwas ungerecht – es ist, die vielen verschiedenen, hervorragenden Präsentationen in eine Rangliste zu zwängen, gehören zum Ritual des Wettbewerbs. Nun, der gewollte Sachzwang verlangt, dass die Rangliste schliesslich verkündet wird.

Locker moderierte Konkurrenz

Nach der Rangverkündigung füllt sich der Saal mit Freude auf der einen und Enttäuschung auf der andern Seite. Unvermittelt realisiere ich, dass mich leicht friert. Liegt es an der kühlen Luft, die deutlich spürbar der Klimaanlage entströmt? Liegt es am Raum? Er ist durchgestylt, technisch voll aufgerüstet und steil abgestuft, sodass man die Jury, gross an Einfluss, aber klein und steif weit unten sitzend wahrnimmt. An der lockeren Moderation kann es wohl nicht liegen. Oder ist es einfach das Klima der Konkurrenz, das den Saal so kühl werden lässt? Die musikalisch-lyrischen Gitarren-Intermezzi des Musikers Philipp L. Fankhauser scheinen aus einer andern Welt zu stammen. Ob sie bloss bei mir nicht ausreichen, die Atmosphäre im Saal als menschlich- warm zu empfinden?

Wie weiter?

«Der Wettbewerb ‹Projekt 9› wird nicht verschwinden. Ein neuer Verein wird den Wettbewerb in einem neuen Format durchführen», so Erich Lipp zum Schluss. Dürfen wir in Zukunft mit einem fröhlichen, unbeschwerten Happening rechnen, das die Ideen und Inhalte ins Zentrum stellt? Ich ziehe mir die Jacke an, werde warm und verspüre schliesslich eine tiefe Freude an der talentierten, fantasiebegabten jungen Generation, an ihrem Interesse an Menschen, an ihrem Erfindungs- und Forschergeist, ihrem Respekt und Gerechtigkeitssinn, an ihrer Achtsamkeit und ihrer Lust zu gestalten mit Form, Farbe und Bewegung.

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