farbwelt

«Wir helfen titanisch gern»

Weil das Ideenbüro ihrer Schule in der 7. Klasse nicht weitergeführt wurde, gründeten Timo und Gabriel ein eigenes Ideenbüro – für die Öffentlichkeit und mit einer grossen Vision.
Von Hansruedi Hediger.

Timo (links) und Gabriel sind erreichbar unter briefkasten@ideenbuero.ch

Timo erwartet mich im Ideenbüro im zweiten Stock. Mit dabei ist sein Arbeitskollege und Freund Gabriel, der ihn in der Rolle des eher ruhigen und aufmerksamen Zuhörers gut ergänzt. Der Wuschelkopf und der hellwache Blick Timos fallen sofort auf. Er ist in Biel geboren und mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester aufgewachsen. In der 6. Klasse der zweisprachigen Schule haben er und Gabriel zum ersten Mal für ein Ideenbüro gearbeitet, in einem Briefkasten Probleme von jüngeren Schülerinnen und Schülern entgegengenommen, Beratungen organisiert und gemeinsam nach Lösungen gesucht.

Feuer und Flamme

«Gabriel und ich waren sofort Feuer und Flamme und wollten das Projekt auch im 7. Schuljahr weiterführen, was aber nicht möglich war», erzählt Timo. Deshalb hätten sie sich in einem Ideencafé in Bern beraten lassen. Schliesslich sei ihnen angeboten worden, die «La Werkstadt» in Biel gratis zu nutzen. «Ein super Platz mit idealen Arbeitsbedingungen!.» Die beiden stellten sich in einer Präsentation und mit einem selbstgemischten ‹Braindrink› den erwachsenen Benutzerinnen und Benutzern des Hauses vor, und auch das war ein Erfolg! «Nach fast zwei Jahren kennt man uns hier», freuen sich die beiden. «Wir durften schon etliche Aufträge von Schulen, Interessengruppen oder Firmen entgegennehmen und ausarbeiten. Unsere Arbeit stösst mittlerweile vielerorts auf grosses Interesse.» Halbjährlich erstellen Timo und Gabriel einen Tätigkeitsbericht, in dem sie zeigen, was sie geleistet haben. «Das ist eine Art Rechenschaftsbericht für unseren Sponsor», erklärt Timo. «Wir bieten ausserdem eine Problemlösewand aus jugendlichem Blickwinkel an.»

6 Stunden pro Woche

Das «Book of fame» zeigt wirklich eine eindrückliche Palette der bisherigen Arbeiten mit Einladungen, Präsentationen, Medienberichten und Feedbacks. Die Arbeit, immerhin schätzt sie Gabriel auf rund sechs Stunden pro Woche, ist grundsätzlich kostenlos. Ein Feedback von ihren Kundinnen und Kunden ist allerdings erwünscht. Dann und wann erhalten die beiden auch einen finanziellen Zustupf, wie kürzlich für ihre Ideen zur Entwicklung neuartiger Formen der Tabakprävention.

Wie können Jugendliche so selbstlos sein? «Das Ideenbüro hat das gleiche Ziel wie wir beide in unserem Leben», erklärt Timo. «Wir wollen anderen Leuten helfen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Es ist beste Weiterbildung für uns: Wir setzen uns mit Problemen auseinander und lernen daraus.» In der Schule hatten Timo und Gabriel Kinder und Jugendliche beraten, selten Lehrer und Lehrerinnen. Mit dem Schritt in die Öffentlichkeit in «La Werkstadt» beraten sie nun ausschliesslich erwachsene Klientinnen und Klienten, aber auch Schulen beim Einrichten eines eigenen Ideenbüros. Im Projekt «Fly» – Oberstufenschülerinnen und -schüler «fliegen» einmal in der Woche als Unterstützung in Unterstufenklasse – helfen sie zum Beispiel Schulen bei dessen Aufbau.

Ein weltweites Netzwerk

Die beiden leben für eine Vision: Ein weltweites Netzwerk von Kindern und Jugendlichen zur Entwicklung von Ideen, die die Welt nachhaltig positiv verändern, einer Plattform, um der jungen Generation eine Stimme zu geben.

Timo holt immer weiter aus, gerät ins Schwärmen und Philosophieren: «Es geht darum, den Kindern und Jugendlichen einen Raum zur Verwirklichung ihrer Ideen und Träume zu geben, in dem man ein offenes Ohr für alle hat. Wir wollen die Zukunft mitgestalten und prägen helfen. Mein Traum ist es, nach der Ausbildung als Ideenbüro-Botschafter die ganze Welt zu bereisen. Denn Probleme gibt es genug und wird es immer geben. Es braucht junge und frische Ideen für alte Probleme. Es existieren schon erste internationale Ideenbüros in Mexico, Deutschland, Guinea und Griechenland.» Den beiden fehlt es wahrlich nicht an Ideen und Visionen. Viel Glück!

AnhangGröße
PDF icon Download dieses Beitrags (PDF)231.87 KB