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Visionärin, Realistin, Kämpferin –  sie zog aus, die Schule zu demokratisieren

 

Heidi Gehrig

Heidi Gehrig ist Initiantin und Mitbegründerin des Prisma-Projekts und seit 2008 Dozentin und Schulberaterin für Kindergarten-, Primar- und Oberstufe am Institut für Weiterbildung und Beratung an der PHSG in Rorschach.

Mit ihren Visionen von Schule fühlte sich Heidi Gehrig lange einsam. Bis sie Verbündete fand. Ihr Engagement stiess viele vor den Kopf. Heute ist sie eine gefragte Person, wenn es um Demokratie und Partizipation in der Schule geht. Ein Porträt.
Von Agathe Schudel.

Garstiges Wetter sowie Durchsagen über Verspätungen und verpasste Anschlüsse – das alles bringt Heidi Gehrig nicht aus der Ruhe. Dick eingemummt wartet sie am Bahnhof Wil geduldig auf ihren Besuch. Ihr flammend rotes Haar wirkt in dieser kalten, unwirtlichen Umgebung wie ein fröhlicher Farbtupfer und ist auch praktisch: Sie ist von weither zu erkennen. Heidi Gehrig hat sich auf den Besuch gefreut und zeigt sich trotzdem etwas irritiert über das Interesse, das ihr entgegenkommt. Kurzerhand stellt sie das Programm um: Erst will sie das Alleeschulhaus besuchen. Es bedeutet ihr sehr viel – wie viel, das wird sich später an diesem Tag zeigen.

Hier ging es richtig los

Obschon sie bereits seit elf Jahren nicht mehr dort unterrichtet und etliche Lehrkräfte seither neu dazugekommen sind, könnte die gegenseitige Begrüssung im Teamzimmer nicht familiärer sein. Teamzimmer? «Damals haben wir das Lehrerzimmer umbenannt, weil wir fanden, es müsse ein Treffpunkt auch für Eltern und Behördenmitglieder – einfach für alle – sein», erklärt Heidi Gehrig. «Die Hemmschwelle für den Kontakt und Austausch musste verkleinert werden.» Kontakt und Austausch. Damit berührt Heidi Gehrig gleich zu Beginn ganz beiläufig ihre zentralen Anliegen. Sie lässt sich nicht aufhalten und will ihr ‹altes› Schulzimmer zeigen. Sie hat sich zuvor angemeldet, klopft und schlüpft ins Schulzimmer. «Die Lehrerin ist eine ehemalige Studentin von mir», flüstert sie stolz. Als ein Mädchen beginnt, über seine mitgebrachten Meerschweinchen zu erzählen, verlässt sie so leise, wie sie gekommen ist, das Schulzimmer wieder. «Hast du die eingebauten Zwischenböden gesehen? Diese hat der damalige Hauswart eingebaut. Die Schulzimmer waren hoch, und ein gemütlicher Rückzugsort für die Kinder fehlte. Übrigens, siehst du dort die Stellwand? Da hängen die Traktanden und Beschlüsse der Vollversammlung. Sie ist ein zentraler Teil der demokratischen Schulkultur. Jedes Kind hat von Anfang an eine Stimme. Und schau: Da steht eine Fackel. Sie wurde mir beim Abschied überreicht. Ihren Zwilling zeige ich dir später.»

Vollversammlung im Stadtsaal

«Das Schulhaus hat keine Aula, darum finden die Vollversammlungen im Stadtsaal statt», sagt Heidi Gehrig und zeigt durchs Fenster zum benachbarten Gebäude. «Die Schule muss den Stadtsaal jeweils für ein bestimmtes Zeitfenster im Voraus mieten. Aber ob die Zeit für die Bearbeitung eines Themas reicht, ist oft ungewiss, denn wie weiss man, wie lange es dauert, bis ein Konsens gefunden ist? Was viele vergessen: Demokratie heisst nicht bloss abstimmen und wählen! Manchmal braucht es einen Zusatztermin im Stadtsaal.»

Heidi Gehrig bleibt stehen und zeigt auf die grosszügigen Freiflächen im Flur dieses stattlichen Schulhauses. «Aus feuerpolizeilichen Gründen darf man fast nichts hinstellen, dabei würde es sich so gut anbieten, Ecken zum Arbeiten und Verweilen einzurichten.» Einrichtungsvorgaben sollen hier die Ausbreitung von Feuer verhindern. Das Feuer, das in diesem Schulhaus brennt, ist jedoch anderer Art. Das spürt, wer dieses Haus betritt.

Weggang mit gemischten Gefühlen

Der Weg vom Schulhaus zu ihrer Wohnung führt durch eine Einkaufsstrasse, später durch ein verwinkeltes Quartier, dem Stadtweiher entlang und dann ein Steilsträsschen hoch. Festen Schrittes stapft Heidi Gehrig durch den Schneematsch. Leise fallen die Flocken auf ihr unbedecktes Haar, als sie zu erzählen beginnt: Dass sie damals das Alleeschulhaus nicht ganz freiwillig verlassen hat, und dass sie die Arbeit mit den Kindern stark vermisst, obwohl sie ihre jetzige Aufgabe an der PH St. Gallen sehr liebt und ihre Visionen dort um ein Vielfaches breiter streuen und umsetzen kann. «Ich habe mich jahrelang mit Herzblut für unsere Schule eingesetzt, das ging oft über meine Kräfte. Die damalige Schulbehörde wollte jedoch mein kleines Pensum für die Schulleitung nicht erhöhen und zwang mich so zu gehen. Wohin? Ich wusste es nicht.» Das Gespräch unterbricht sie ab und zu mit knappen, rechtzeitigen Anweisungen über die Gehrichtung, was ein Stehenbleiben oder Zusammenstossen verhindert. Sie führt den ortsunkundigen Besuch zielstrebig, aufmerksam und beiläufig ans zweite Ziel.

Berufung an die PH St. Gallen

«In dieser Situation kam unerwartet die PH St. Gallen auf mich zu, weil es immer mehr Schulen gab, die auf das Altersdurchmischte Lernen umstellen wollten», sagt sie und fährt fort: «Die PH suchte auch jemanden mit praktischer Erfahrung in Demokratiepädagogik. Alles fügte sich wunderbar – und so bekam ich die Gelegenheit, sowohl Studierende in Demokratiepädagogik und in praktischer Partizipation zu unterrichten als auch Schulen, die sich dafür interessierten, zu begleiten.» Heidi Gehrig scheute keinen Aufwand. Sie absolvierte nebenher ein Masterstudium in Schulentwicklung und belegte an der Freien Universität in Berlin den Masterstudiengang ‹Demokratiepädagogik und Soziales Lernen›. Sie schmunzelt und meint: «In Berlin lachten sie darüber, dass ich als Schweizerin nach Deutschland komme, um Demokratiepädagogik zu lernen! Aber in der Schweiz gab und gibt es sowas nicht.» «Noch nicht!», fügt sie verschmitzt an.

Demokratie heisst nicht bloss abstimmen und wählen!

«Darum wollte ich Lehrerin werden»

Hoch über Wil liegt Heidi Gehrigs Wohnung. Sitzt man am Stubentisch, ist der weite Horizont zu sehen – die Churfirsten, der Speer, die Flumserberge und Glarner Alpen. Und ganz nah an der Hauswand: der Zwilling. Ihr Blick schweift in die Ferne, und die Gedanken gehen weit zurück in ihre Kindheit. Bereits damals entwickelte sie klare Vorstellungen davon, wie Schule sein müsste. Warum? Heidi Gehrig überlegt nicht lange: «Familiär bedingt fühlte ich stets ganz viel Italien in mir! Und ich erlebte schon als Kind, wie es war, anders zu sein und anders zu denken; wie Kinder, die anders waren, Schwierigkeiten hatten beim Lernen, ausgestossen wurden oder mit ihrem Verhalten andere herausforderten. Oft wurden sie von den Lehrpersonen bestraft. Das beschäftigte mich sehr. Ich wusste, dass ich Lehrerin werden und dass ich es einmal ganz anders machen wollte. Ich stellte mir eine Schule vor, in der alle willkommen sind.»

Andere denken auch so!

Geprägt von grossem Gerechtigkeitssinn hatte sie sich schon in der Oberstufe und später im Lehrerseminar für andere eingesetzt, wenn diese unfair behandelt wurden. Im Lehrerseminar hatte sie Glück: Der Klassenlehrer schaute gut zu ihr. Ohne ihn hätte sie die Ausbildung nicht abgeschlossen, denn sie realisierte, worauf diese hinauslaufen würde: Zu einer Pädagogik, hinter die sie nicht stehen konnte. Als sie für sich die Anliegen der Reformpädagogik entdeckte, freute sie sich: Sie war nicht allein mit ihren Ideen. Dass damals Diskussionen darüber in der Ausbildung nicht möglich waren, enttäuschte sie.

Berufseinstieg in Wil

Zwei Stellen waren zu vergeben. Aufgrund der Probelektion wurde ihr die anspruchsvollere Klasse zugeteilt. Heidi Gehrig fühlte sich geehrt und freute sich sehr.

Nach zwei Jahren musste sie aus organisatorischen Gründen in ein anderes Schulhaus wechseln. Der Einstieg war wiederum eine Herausforderung, allerdings nicht wegen der Klasse. «Gleich zu Beginn hat man mich instruiert, dass Schülerinnen und Schüler, die sich nicht an die Hausordnung halten, diese abschreiben müssen. Da musste ich erst mal leer schlucken. Ich dachte: ‹So etwas mache ich nicht mit.›»

16 Jahre später, im Alleeschulhaus, legen die KINDER die Regeln für das Zusammenleben fest. So übernehmen sie Verantwortung für das Wohlbefinden und Sicherheitsgefühl aller. Verstösse werden miteinander besprochen.

Heidi Gehrig versuchte, sich mit dem Wiler Kollegium zu arrangieren, indem sie sich zurückhielt, so gut es ging. Aber im Unterricht setzte sie ihre Ideen um, liess die Kinder im Flur an Projekten arbeiten, stellte die Produkte aus, organisierte ‹Samstagmorgen-Schule› mit den Eltern der Kinder. So kam zum Beispiel ein Vater, ein Pizzabäcker, und buk mit den Kindern in transportablen Backöfen Pizzas. Bald verbreitete sich der Duft im ganzen Schulhaus.

Mit ihren Vorstellungen stiess sie im Kollegium wiederholt auf Widerstand. Mehrmals wurde ihr geraten, an eine Privatschule zu wechseln: «Was du willst, kannst du in der öffentlichen Schule nicht umsetzen.» Zum Glück gab es auch Kolleginnen und Kollegen, mit denen sie sich gut verstand. Auch die damalige Behörde stand voll hinter ihrer Arbeit.

Lange Durststrecke

«18 Jahre lang habe ich gehofft, dass sich in der Schule etwas ändern würde. Unterdessen war ich 37 Jahre alt. Ich fühlte mich einsam in einem Kollegium, das mehrheitlich an den bestehenden Unterrichtsformen festhielt. Lehrpersonen, die im Laufe der Zeit neu dazugekommen waren und ähnliche pädagogische Vorstellungen hegten wie ich, gingen wieder. Ich konnte sie verstehen, hätte sie aber gebraucht, um gemeinsam etwas zu verändern», sagt sie nachdenklich. Die erfreuliche Arbeit mit den Kindern fiel aber schwerer ins Gewicht als das fehlende Mittragen im Team. So blieb sie.

Gegen Ende dieser Zeit hatte sie Glück. Mit zwei jungen, neuen Lehrerinnen ergab sich eine klassenübergreifende Zusammenarbeit. Während all der Jahre wurden Heidi Gehrig vom Schulrat Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen oder mit speziellen Geschichten zugewiesen. Glücklicherweise waren ihre Klassen immer bereit, solchen Kindern Platz einzuräumen. Auch die Eltern standen hinter ihr.

Es muss möglich sein, und es IST möglich, die öffentliche Schule zu verändern.

Dranbleiben oder gehen?

«Klar spielte ich damals gedanklich Alternativen durch», sagt sie. «Es gab zum Beispiel die Idee, zusammen mit einer Kollegin an eine abgelegene, winzige Mehrklassenschule im Toggenburg zu wechseln. Ich merkte aber rasch, dass ein abgeschlossener Mikrokosmos nicht zu mir passt. Im Grunde träumte ich von einem grossen Team, das sich beispielsweise darin einig ist, dass verschiedene Sichtweisen, Ideen und Anregungen unbedingt Platz haben sollen.»

An eine Privatschule zu wechseln, war nie eine Option für Heidi Gehrig. Sie glaubt an die öffentliche Schule, weil sie weiss, dass vieles besser laufen könnte. «Leider herrscht noch vielerorts zum Beispiel der Mythos, dass Kinder nur lernen, wenn Druck aufgebaut wird, obwohl wissenschaftliche Befunde längst das Gegenteil beweisen. Genau darum darf man nicht aufgeben», sagt sie, «es muss möglich sein, und es IST möglich, die öffentliche Schule zu verändern».

Aufbruchstimmung

Dann geschah alles Schlag auf Schlag. Heidi Gehrig stiess 1992 auf den Zeitungsartikel über Edwin Achermann in Stans und sein Schulprojekt «Altersdurchmischtes Lernen». Plötzlich setzt sie sich kerzengerade hin. Wie auf Kommando beginnen draussen die Glocken zu läuten. «Diese Lektüre traf mich wie ein Blitz. Sofort nahm ich Kontakt auf. Wir mussten uns nicht erklären, das war ein Phänomen. ‹Edwin›, sagte ich, ‹Wil – ein ganzes Schulhaus – Mehrjahrgangsklassen – dein Buch: Das setzen wir um!› Das freute ihn sehr, doch warnte er mich vor Schwierigkeiten und Anfeindungen, die es in der Gemeinde geben würde. Aber das hielt mich nicht zurück, ich war jetzt nicht mehr allein.»

Heidi Gehrig wurde mit ihrem Plan beim Schulratspräsidenten vorstellig und suchte mit seinem Einverständnis in Wiler Schulhäusern nach Lehrpersonen, die sich für dieses Projekt begeistern konnten. Schnell war eine Interessengruppe gegründet. Das Schulprojekt wurde vom Schulrat bewilligt. Nach einer intensiven Zeit der Projektaus­arbeitung, bei der sowohl Lehrpersonen als auch eine externe Fachperson involviert waren, folgte 1997 schliesslich der Start im Allee­schulhaus. ‹Wil betritt pädagogisches Neuland›, ‹Gewagter Schulversuch im Alleeschulhaus›, ‹Individuell und doch gemeinsam›, so titelten die Zeitungen – das öffentliche Interesse war gross.

Dieses Schulentwicklungsprojekt wollte vieles umsetzen: Eine Individualisierende Gemeinschaftsschule, das Altersdurchmischte Lernen (AdL) in Mehrjahrgangsklassen, Demokratiepädagogik und Partizipation sowie eine starke Einbindung der Eltern und des Quartiers. Was 1997 im Alleeschulhaus begann, ist eine Erfolgsgeschichte geworden: 2006 wurde dem Alleeschulhaus der Pestalozzi-Preis für gelebte Partizipation verliehen. Unterdessen gibt es schweizweit immer mehr Schulen, die auf das Mehrklassensystem mit AdL umgestellt haben oder umstellen.

Rückenwind und Gegenwind

Das Allee-Team machte sich mit viel Energie und Zuversicht auf den Weg. Die starke Einbindung der Eltern zeigte sich bereits bei deren konstruktiv-kritischer Mitarbeit am Schulleitbild. «Das stärkte uns und gab uns die nötige Kraft, dem teils heftigen Gegenwind, der uns in den ersten Jahren in Form von Ausgrenzungen und unfairen Unterstellungen ins Gesicht blies, standzuhalten», sagt sie und fährt fort: «Edwin Achermann hatte mich darauf vorbereitet. Ihm war in Stans Ähnliches passiert. So ergeht es den Propheten im eigenen Land. Das hat weder mit Wil noch mit meiner Person zu tun. Das sind Muster, die überall ablaufen. Wer sich einsetzt, setzt sich aus und macht sich angreifbar. Sich zu wundern, wenn man dann auch angegriffen wird, ist naiv. Wir hielten zusammen. Das zählte.»

Heidi Gehrig lehnt sich zurück und meint: «Der pädagogische Konsens im Alleeschulhaus, der offene Umgang, die offenen Schulzimmertüren, die wohlwollende Atmosphäre, die Bereitschaft, voneinander lernen zu wollen sowie die grossartige Erfahrung, gemeinsam etwas aufgebaut zu haben – das war es, was es mir so schwer machte loszulassen und zu gehen.» Ihr Blick wandert dabei erneut in die Ferne.

Nach ihrem Weggang befürchteten einige, die Idee des Projekts würde mit ihr verschwinden. «Das wäre das Schlimmste gewesen für mich, denn dann hätte ich meine Arbeit nicht gut gemacht. Es darf nicht von einer Einzelperson abhängen, ob das Projekt funktioniert oder nicht. Das Projekt lebt vom Miteinander», sagt sie ernst.

Wir hielten zusammen. Das zählte.

Ich-Orientierung und Wir-Orientierung

Heute berät und begleitet Heidi Gehrig Schulen, die sich für AdL, für die Öffnung von Unterricht und eine demokratische Schulkultur interessieren. Ihr ist dabei wichtig, dass Teams stets beide Blickwinkel im Auge behalten: Sowohl das Individuelle wie das Gemeinsame. «Klar tut es gut, wenn Lehrpersonen von Eltern persönliche Wertschätzung erhalten», sagt Heidi Gehrig und ergänzt: «Lehrerinnen und Lehrer brauchen das wie alle Menschen. Genauso wichtig ist aber ihre Solidarität untereinander. Daran lohnt es sich zu arbeiten. Zu oft noch finden sowohl unter Kindern und Jugendlichen als auch in Teams Ausgrenzungen und Kränkungen statt. Ich ermuntere die Teams, indem ich sage: ‹Es fängt mit EUREM Verhalten und EUREM Umgang untereinander an. Ihr habt viele Möglichkeiten, es gemeinsam anders zu machen. Achtet darauf, dass in eurem Team und in euren Klassen niemand allein gelassen wird.›»

Wo immer Heidi Gehrigs Name fällt, zeigt man sich beeindruckt von dieser einzigartigen Frau. Milena Laich, eine aktuelle Studentin an der PHSG beschreibt sie als liebevoll, vorurteilslos, respektvoll und grossherzig. Sie nehme das Wort «Vorbild» nicht gern in den Mund, aber in diesem Fall treffe es zu. Ihr sei bewusst geworden, wie wichtig es sei, an Themen wie Gemeinschaft, Persönlichkeitsbildung, Demokratie und Kommunikation zu arbeiten. Ähnliche Aussagen ergibt der Kontakt zum ehemaligen Projektbegleiter des Prismaprojekts und heutigem Leiter des Regionalen Didaktischen Zentrums in Rorschach, Jürg Sonderegger. Er sinniert: «Heidi Gehrig ist ein sehr sorgfältiger und differenzierter Mensch im Umgang mit Menschen. Sie ist beseelt von einer starken inneren Motivation, den Menschen und Sachen gerecht zu werden. Ihr Herz schlägt für das Intensive in der Prozessarbeit, für das Langfristige, nicht für den schnellen Erfolg. Die Gefahr, sich dabei selbst zu verbrennen, ist dadurch latent vorhanden. Das wäre ein schmerzlicher Preis für die lobenswerte Sorgfalt und das enorme soziale Engagement, von dem so viele Schulen profitieren.»

In der Laudatio zum Anerkennungspreis 2018 der PHSG für die Förderung der st.gallischen Lehrerinnen- und Lehrerbildung bringt es Ilias Paraskevopoulos, Institutsleiter Weiterbildung und Beratung PHSG, ebenfalls auf den Punkt: «Heidi hat sich nie gescheut, Herausforderungen anzunehmen und Schwierigkeiten beim Namen zu nennen. Und sie hat einen unglaublichen Biss. Es geht ja schliesslich um die Kinder. Heidi hat sich nie selbst in den Vordergrund gestellt, sondern hat in ihrer Bescheidenheit die Schulen und ihre Menschen zum Mittelpunkt gemacht.»

Wen erstaunt’s? Auch an ihrem Arbeitsort in Rorschach tut sich der weite Horizont auf. Diesmal fällt der Blick auf den Bodensee. Der Bitte um ein paar Fotos kommt Heidi Gehrig etwas widerstrebend entgegen. Sie steht nicht gern im Mittelpunkt. Sie brennt lieber für andere. Ein Zufall, dass genau jetzt die Sonne hervorblitzt und ihr Haar noch feuriger erscheinen lässt?

Publikationen

  • Edwin Achermann, Heidi Gehrig (2011): Altersdurchmischtes Lernen AdL – Auf dem Weg zur Individualisierenden Gemeinschaftsschule. Bern, Schulverlag plus.
  • Heidi Gehrig (2018): Individualisierende Gemeinschaftsschule. Demokratie und Menschenrechte leben und lernen. Bern, Schulverlag plus.
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