farbwelt

Lehrmittel zwischen Vision und Realität

 

Hansruedi Hediger

Lehrmittel zwischen Vision und Realität

«Lehrer Steensen packte den Karton erst gar nicht aus. Sachkunde - Brücken zur Welt, das Lehrbuch für das neue Schulfach, das er jetzt statt Heimatkunde unterrichten sollte. Er liess die Kiste mit den neuen Büchern gleich im grossen Schrank der Schulbibliothek verschwinden. Dann machte er mit seinem Schleswig-Holstein-Heimatbuch von 1949 weiter. Er würde sich nicht in sein Handwerk pfuschen lassen von progressiven Pädagogen.» Ich glaube beide zu kennen: Diese progressiven Pädagogen, die alles umwälzen und erneuern. Die vor keiner Mehrarbeit zurückschrecken und fortwährend den Unterricht neu erfinden. Und auch solche wie Lehrer Steensen, rückwärtsgewandt und auf das Altbekannte und Bewährte vertrauend. Gibt ja auch weniger zu tun! Hat ja immer funktioniert! Bequemer- und beruhigenderweise sehe ich mich irgendwo in der Mitte der Pädagogen-Lehrmittel-Skala. Lehrer Steensen in Dörte Hansens neuem Roman «Mittagsstunde» kümmert sich nicht um die Dienstanweisung. Für ihn ist Verweigerung offenbar ein Ausdruck von Freiheit. Ein Ausdruck von Verantwortung wäre es, mit dem neuen Lehrbuch gut umgehen zu lernen. Denn wir wissen: Entscheidender als ein Lehrmittel ist für den Unterrichtserfolg die Art und Weise, wie wir es einsetzen und damit umgehen.

Gibt ja auch weniger zu tun! Hat ja immer funktioniert!

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