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Lernen durch Lehren – Talente weitergeben

Voneinander lernen, ein Unterrichtsprinzip, das im Kindergarten und in der Unterstufe weit verbreitet ist, verliert in den nachfolgenden Schuljahren an Bedeutung. Das Beispiel der Sekundarschule Erlenbach-Herrliberg zeigt, wie «Peer education» auch im 3. Zyklus schrittweise wieder eingeführt werden kann. Von Christian Graf.

 

«Sehr geehrte Eltern, sehr geehrte Erziehungsberechtigte 

Wie wir Ihnen schon im Jahresprogramm 2018/2019 angekündigt haben, findet am Standort Herrliberg vom 17. 06. bis 21. 06. 2019 unsere Projektwoche für die 1. & 2. Klassen der GSEH (Gemeinsame Sekundarschule Erlenbach-Herrliberg) statt. 

Dieses Jahr leitet uns das Thema ‹Talente weitergeben›. Unsere Schülerinnen und Schüler vermitteln mit Unterstützung des Lehrerteams ihre Talente. Die Vielfalt ist beeindruckend. Mehr als dreissig Kurse zu den unterschiedlichsten Themen sind zusammengekommen.»

 

Der Peer-to-Peer-Ansatz hat einen ausgewiesen hohen Lerneffekt, davon sind Florian Brodbeck, Schulleiter, und Reto Schweizer, Jahrgangsteamleiter, überzeugt. Denn einerseits vertiefen die Kursleitenden ihr Wissen und ihre Fähigkeiten, wenn sie diese anderen weitergeben. Die Teilnehmenden profitieren davon, die Inhalte von einem Kursleitenden erklärt zu bekommen, der den gleichen Lernprozess erst kürzlich durchlaufen hat und sich gut in die Situation der Lernenden einfühlen kann. Und auf Augenhöhe lassen sich auch Fragen leichter stellen und beantworten.

Deshalb hat die GSEH im Schulprogramm 2016–20 auch das folgende Ziel festgeschrieben: «Lernende erhalten ein Zeitgefäss, in dem sie ihre Talente anderen zugänglich machen können.»

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde 2018 erstmals eine Projektwoche organisiert, in der Schülerinnen und Schüler Kurse für ihre Kolleginnen und Kollegen planen und durchführen. Während bei der ersten Durchführung das Angebot an Kursen höher war als die Nachfrage, kamen 2019 genau genügend Kurse zusammen, um die Woche durchführen zu können. 

Das Angebot ist breit und widerspiegelt die Vielfalt der Interessen, denen Jugendliche der Sekundarstufe mit Leidenschaft nachgehen.

Gemäss den Aussagen der beiden Hauptverantwortlichen waren die Rückmeldungen der Lernenden bei beiden Durchführungen sehr positiv. «Insbesondere die Tatsache, dass sich die Lernenden auch einmal Lerninhalten aus ihrer Lebenswelt widmen konnten, ist auf grosses Echo gestossen. Die Kursleitenden waren zu Beginn der Woche sehr nervös und waren am Morgen schon vor den Lehrpersonen im Schulhaus am Vorbereiten. Am Ende der Woche war dann aber doch der eine oder andere froh, wieder ins Schülerleben zurückkehren zu dürfen.» 

Und die Lehrpersonen, die die Kursleitenden individuell begleiten und unterstützen, sehen im «Peer-to-Peer-Lernen» die grosse Qualität dieser Woche. Wird also an der GSEH dem «Lernen auf Augenhöhe» auch im regulären Unterricht immer wieder Raum gegeben? 

«In den verschiedenen kooperativen Lernformen findet immer wieder ein Rollenwechsel statt», betonen Brodbeck und Schweizer, allerdings sei die Projektwoche bisher die einzige Gelegenheit für Lernende, einen ganzen Kurs für ihre Kolleginnen und Kollegen zu planen. Die Weiterentwicklung bleibe aber ein Thema für die GSEH.

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