farbwelt

Wann geht Felix schlafen? – Das Making Of

Eine 7.–9. Klasse der Realschule Höhenweg in Langnau im Emmental stellt sich der Herausforderung, selbstständig ein Profil-Rätsel zu machen. Raffiniert soll es sein und attraktiv.
Von Therese Grossmann.

Erwartungsvoll betrachten die 16 Schülerinnen und Schüler den Rätselonkel, der aus Bern angereist ist. Sie kennen ihn vom farbigen Würfelrätsel aus der Profil-Ausgabe vom November 2018, das sie im Unterricht mit Begeisterung gelöst haben. Ihre Klassenlehrerin Scarlett Bezzola hat sie dann umgehend für den Rätselkurs angemeldet, der auf derselben Rätselseite angeboten wurde. Nun ist der Rätselonkel da und erklärt gleich zu Beginn, dass am Schluss der beiden Kursnachmittage das Profil-Rätsel für die Novemberausgabe 2019 feststehen sollte – und zwar ein Rätsel in einer Form, die es noch nicht gibt. Eine Neuerfindung der 7.–9. Klasse A!

Zuerst einmal dürfen die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen aus drei früheren Profil-Rätseln eines auswählen und lösen. Mehrheitlich wählen sie das farbige LOVE-Rätsel (profil 2015.02), bei dem der Ort eines Treffens herausgefunden werden muss. Konzentriert suchen sie nach möglichen Zuordnungen von Farben, Formen und Buchstaben, aus denen sie Informationen gewinnen, und freuen sich über erste Erfolge. Eine Gruppe wählt ein Tierrätsel (profil 2017.03), bei dem das Bild gesucht werden muss, das nicht in die Reihe passt. Mithilfe von Oberbegriffen und naturkundlicher Recherchen im Internet kommen sie zur Lösung. In der Auswerterunde zeigt sich, dass beide Rätsel etwas mit Gesetzmässigkeiten zu tun haben, dass Farben, Formen, Zahlen, Wissen eine Rolle spielen und dass es ums Entdecken von Zuordnungsmöglichkeiten geht.

 

Rätselideen suchen

 «Jetzt sind eure Ideen gefragt», leitet der Rätselonkel die Suche nach einer Rätselgrundlage ein, «schreibt alles auf, was euch durch den Kopf schwirrt, erfindet einfach drauflos!» In der einen Gruppe entstehen bald die ersten Ideen, andere zögern noch etwas und sind froh um den Impuls, auch das aufzuschreiben, was sie gerade sehen, drinnen und draussen. Vielleicht ergebe sich daraus ja später eine Möglichkeit, ein Rätsel zu bauen. Langsam füllen sich die Blätter, es wird diskutiert und über Einfälle gelacht. Nach der kurzen Pause sollen die Ideen vorgestellt werden. 

Auf das Stichwort «Pause» hat Leon offenbar schon freudig gewartet: Schnell ist er vorne an der Wandtafel und schreibt ein Zahlenrätsel mit «Billardkugeln» auf, das der Rätselonkel lösen soll. Bald sind die beiden umkreist von anderen Schülerinnen und Schülern, die das Intermezzo schmunzelnd beobachten. Der Rätselonkel kommt ins Schwitzen. Die Atmosphäre ist entspannt – eine gute Grundlage für kreatives Arbeiten!

Und kreativ sind sie, die Ideen, die da in den Gruppen entstanden sind und nun mit dem Visualizer vorgestellt werden: Das geht von farbigen Häusern und Zahlencodes zu Uhren, Heissluftballons und Fallschirmen bis sogar zur Löschdecke im Klassenzimmer. «Die Löschdecke könnte etwas Wichtiges verbergen und so das Rätsel erschweren», schlägt Sven vor. «Mit dem Ballon könnten wir etwas von oben abbilden und das in ein Rätsel einbauen», erläutert Mirjam. Die Schülerinnen und Schüler notieren sich alle Ideen, die vorgestellt werden, und natürlich auch die, welche während des Präsentierens entstehen. «Kombiniert die Ideen, fragt euch zum Beispiel, was die Uhr mit dem rosaroten Haus zu tun hat», schlägt der Rätselonkel vor. Dass dieser Vorschlag gedankliche Spielräume eröffnet, ist in der anschliessenden Gruppenphase hör- und sichtbar: «Wir können das Rätsel aus der Sicht eines Fallschirmspringers bauen», sagt Tim. «Und warum dabei nicht noch eine Uhr mit einem anders eingestellten Zifferblatt verwenden?», ergänzt Sara. An einem anderen Tisch wird versucht, einen Farbcode in eine Zahlenreihe zu integrieren. Das erfordert viele Versuche und wirft die Frage auf, ob die Idee überhaupt etwas tauge. Anja und Lena tüfteln an einem Rätsel mit römischen Zahlen herum. Sven konnte seine Gruppe offenbar davon überzeugen, von der Löschdecke auszugehen. Sie drehen und wenden die Löschdecke, suchen nach Zahlen und Sprachen, die Informationen für ihr Rätsel hergeben könnten. Noch ist das Suchen und Ausprobieren in vollem Gang, als es läutet. Zum Glück kommt der Rätselonkel am nächsten Nachmittag nochmals.

 

Ein Rätsel ausarbeiten

Zu Beginn der Doppelstunde gibt er gleich den Auftrag, sich nun für eine Idee zu entscheiden und diese auszuformulieren: «Ihr dürft auch Umwege ins Rätsel einbauen und Fallen stellen, zum Beispiel Informationen beschreiben, die gar nichts zur Rätsellösung beitragen.» Das gefällt vielen in der Klasse und wirkt offensichtlich anregend. Das Engagement ist gross, schliesslich soll ja heute durch ein Voting das Klassenrätsel ausgewählt werden, das in einem halben Jahr publiziert wird. Immer wieder werden die Klassenlehrerin oder der Rätselonkel an ein Pult gerufen, weil zum Beispiel eine Idee überprüft werden soll oder es eine inhaltliche Frage zu klären gilt. Es fällt auf, dass an mehreren Pulten ganz unterschiedliche Rätsel mit Häusern und Zahlen bzw. Farben entstehen, dass der Fallschirmspringer verschwunden ist, dass aber die Uhr Bestand hat. Und dass Sven die Löschdecke auf ein Blatt zeichnet, auf ein anderes ein Sanitätsauto, auf ein nächstes ein Peacemobil und zuletzt ein Feuerwehrauto – je mit den entsprechenden Notfallnummern.

 

Das Klassenrätsel auswählen

Diese Zeichnungen wirken auch bei der Präsentation so stark, dass die Gruppe beim Voting viele Stimmen erhält, obschon aus den Notfallnummern noch überhaupt kein Ansatz für ein Rätsel entstanden ist. Am Schluss setzt sich dann doch das raffinierteste Rätsel durch – Sie finden es auf Seite 50.

Die Redaktion von profil dankt der Klasse für ihr eindrückliches Engagement. 

Wenn Sie für Ihre Oberstufenklasse im ersten Quartal 2020 einen halbtägigen Rätselkurs mit dem Rätselonkel buchen möchten, melden Sie sich bitte bei redaktion@profil-online.ch

AnhangGröße
PDF icon 2019-03_making_of.pdf328.67 KB