farbwelt

Effektives Lernfeedback bewegt das Lernen in Richtung Erfolg

Effektives Lernfeedback bewegt das Lernen in Richtung Erfolg

Wirkungsvolles Lernfeedback zeigt Schülerinnen und Schülern, wo sie stehen. Und es regt sie dazu an, die Lücke zwischen dem Ist- und dem Soll-Zustand zu verkleinern. Von Helena Follmer Zellmeyer.

Ein höchst wirksamer Faktor für Lernerfolg ist effektives Lernfeedback – vorausgesetzt, es geschieht systematisch (Hattie, 2015; Hattie/Clark, 2019). Als differenzierte Rückmeldung der Lehrperson an die Lernenden setzt das formative Lernfeedback immer dort an, wo verbessert werden kann. Wirkungsvolles Lernfeedback bezieht sich auf transparente Erfolgskriterien bei der Erreichung von Lernzielen. Es gibt klare Hinweise an die Lernenden, die ihnen helfen, ihren aktuellen Lernstand zu erkennen. Es regt sie zudem an, die Lücke zwischen dem Ist- und dem Soll-Zustand zu verkleinern und bietet Unterstützung bei der Anpassung der individuellen Lernhandlungen, um die angestrebten Lernziele zu erreichen (vgl. Hischier, 2016; Pirani, 2014). 

Lernfeedback der Lehrperson erfolgt zum Beispiel während der Lernsituation als kurze mündliche oder schriftliche Rückmeldung. Lehrpersonen kommentieren die Lösung einer Aufgabe zeitnah. Sie geben ein signalisierendes (richtig/falsch), aufgabenbezogenes Lernfeedback, das insbesondere fortgeschrittenen oder kompetenten Lernenden zugute kommt. Andere Lernsituationen erfordern zeitversetztes und vertieftes Lernfeedback in Form eines Lerngesprächs von zwei bis vier Minuten zum Lernprozess. Welcher Lösungsweg wurde beim Bearbeiten einer Aufgabe gewählt, und welche besseren gibt es? Lernende, die eher am Anfang stehen, profitieren oftmals von anleitendem Lernfeedback, das sich auf die Lösung von Aufgaben oder die Umsetzung von Lernstrategien bezieht. Lernfeedback richtet sich auf eine der drei Ebenen: die der Aufgabe (Lernresultate), des Lernwegs (Lernprozess und Lernstrategien) oder der Selbstregulation des Lernenden (wie gut sie sich selbst beim Lernen unterstützt haben).

 

Auf die Kompetenzstufe der Lernenden abgestimmt

Um effektives Lernfeedback zu geben, müssen Lehrpersonen ein gutes Verständnis entwickeln, wo die Lernenden stehen und wo sie stehen sollen (Hattie/Yates, 2015). Lehrpersonen nutzen für ihre Standortbestimmungen beobachtbare Lernspuren ihrer Schülerinnen und Schüler. Sie vergewissern sich auf der Grundlage von all dem, was Lernende tun, sagen oder schreiben, wo sie tatsächlich stehen. Daraus schliessen sie, was Lernende wissen, verstehen, fühlen und wo sie noch Fehler machen.* Je transparenter die Lehrperson Lernstand und Lernziele für die Lernenden aufzeigt, desto eher können sich die Lernenden dabei selbst unterstützen, die erwünschte Lücke zu verkleinern. Die Kunst des effektiven Lernfeedbacks besteht darin, die angemessene Form des Feedbacks für die Kompetenzstufe zu wählen, auf der die Schülerin oder der Schüler arbeitet. Dafür schätzt die Lehrperson in jeder Lernsituation ein, inwiefern die Lernenden in Bezug auf die Anforderungen Novizinnen und Novizen, Fortgeschrittene oder Kompetente sind. Daraus leitet sie die angepasste Handlungsform des Lernfeedbacks ab: Signalisieren, Anleiten oder Beraten. Aus dem Formativen gewinnt die Lehrperson Hinweise, um ihren Unterricht auf die Bedüfnisse der Lernenden fortlaufend abzustimmen. 

* Praxisnahe Beispiele für unterrichtsintegrierte Kurzerhebungen sind im Artikel zu Unterrichtsfeedback aufgeführt (profil 3/2018).

 

 

Fehler begrüssen 

Lernende sowie Lehrpersonen sind nicht immer beim ersten Mal erfolgreich. Fehler sind lernwirksam, wenn sie als Chance für Lernanlässe begrüsst werden. Das setzt einen angstfreien Umgang mit Fehlern voraus. 

 

Lernfeedback und Lob – beides wichtig, aber trennen

Feedback in Form von Lob richtet sich nicht auf die Aufgabe, den Lernprozess oder die Selbstregulation, sondern auf das Selbst des Lernenden (vgl. Hattie, 2015; ebd.). «Du hast es gut gemacht» oder «Deine Zeichnung ist schön». In begrenztem Mass kann es die Motivation der Lernenden stützen. Werden Lernende viel gelobt, kann es sie abhängig machen und ihre intrinsische Lernmotivation hemmen. Lob ist daher von formativem Lernfeedback klar zu unterscheiden und getrennt davon einzusetzen. Es enthält oft keine oder wenige Informationen zum Lernen. 

 

Hier erfahren Sie mehr

Literatur 

  • Hattie, John A. C. & Clarke, Shirley (2019). Visible learning: Feedback. London: Routledge.
  • Hattie, John A.C. (2014). Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.
  • Hattie, John A.C., Yates, Gregory C., & Beywl, Wolfgang (2015). Lernen sichtbar machen aus psychologischer Perspektive. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.
  • Hischier, David (2016). Unter der Lupe: Feedback. Lernen sichtbar machen, 17.
  • [Newsletter-Artikel] Verfügbar unter web.fhnw.ch/plattformen/hattie-wiki/begriffe/(Lern-)Feedback
  • Pirani, Kathrin (2014). Weil Lehrpersonen und Lernende es sich wert sind! Beispiel: Unterstützung durch Feedback und Wertschätzung. Weiterbildung, 25(6), S. 23–25.

 

Autorin dieses Artikels
Helena Follmer Zellmeyer. Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Bildungsmanagement, Schul- und Personalentwicklung an der Pädagogischen Hochschule FHNW

AnhangGröße
PDF icon 2019-03_Lernfeedback.pdf4.37 MB